Biber und Hausboote – Kanutour in der Uckermark

Die Uckermark, eine Region Brandenburgs nördlich von Berlin, stellt eine der ursprünglichsten und menschenleersten Gegenden Deutschlands dar. Der Tourismus dort hat die Notwendigkeit des Nachhaltigen Handelns erkannt und so finden sich hier überproportional viele klimaneutrale Angebote und Übernachtungsmöglichkeiten. Regionale Spezialitäten werden gefördert und naturschonende Aktivitäten groß geschrieben. Natürlich musste ich auch hier einer meiner Lieblingsaktivitäten nachgehn: Kanutour in der Uckermark.

Kanutour in der Uckermark: Zuerst durch hohes Schilf…

Ich bin zum ersten Mal im meinem Leben allein auf dem Wasser. Ganz allein eine Kanutour in der Uckermark. Um mich herum Schilf. Und das ist untertrieben. Ich fühle mich auf Wasserniveau sitzend tief im Gestrüpp gefangen. Die scharfen Halme schneiden mir nicht nur einmal in die Hände. Pro Paddelschlag drehe ich mich zusätzlich einmal rechts und einmal links weg vom schmalem Wasserweg in die Uferböschung. Dabei ist die Tour auf der Masurischen Seenplatte doch gar nicht so lange her? Es dauert eine Weile bis ich den Dreh heraus habe. Aber dann finde ich meinen Rhythmus auf meiner Kanutour in der Uckermark. Und drehe das kalte Paddel so um seine Achse, dass es jeweils senkrecht links und rechts in den uckermärkischen Augusthimmel ragt. Nach wenigen Minuten schaffe ich es sogar, verhältnismäßig leise und ohne Spritzen ins Nass einzustechen. Je weniger Geräusche ich selbst von mir gebe, umso lauter scheinen diejenigen um mich herum zu sein. Es knistert, raschelt, brummelt und rauscht ringsum. Jetzt, da ich ob halbwegs gelungener Bootskompetenzen Kapazitäten für meine Umgebung gefunden habe, lausche ich aufmerksam. Ich habe noch nie einen Biber in freier Wildbahn sehen dürfen. Dabei hat die Uckermark den Ruf, dass hier die Chance auf eine Sichtung besonders hoch ist. Ich hoffe und empfinde gleichzeitig enormen Respekt vor Bibern. Ich liebe Wasserwandern. Aber gleichzeitig bin ich kein Profi. Ich bin allein und weiß nicht, was auf mich zukommen könnte.

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…dann über einen weiten See und mit Bibergesellschaft…

Da weitet sich mein Blick. Ahhh, wie schön. Ich befreie mich aus dem schmalen dunklen Schilfkanal und atme die Weite eines kleinen Sees. Seerosen, am Rande komplett umgeben von weiteren grau-grünen Schilfmeeren, die Sonne erreicht mich. Ich lasse mich auf dem Wasser treiben, belohne mich mit dem leichten Schaukeln und döse etwas. Platsch! Schnell taucht er auf, braunes Fell, nass, flink. Nein, oder? Mein Herz überschlägt sich fast vor Glück. Mein allererster Biber. Auf meiner Kanutour in der Uckermark. Ich fasse es nicht. Das sind die Momente, die mein Reiseglück vollkommen machen. Meinen Blick auf die Stelle geheftet, an der mein Genosse ans Sonnenlicht kam, paddel ich voller Schwung vorwärts – bis ich steckenbleibe. Im Seerosengrützengewirr (Sorry). Und komme keinen Meter vorwärts. Mit einem Gefühl wie im Schnee festzusitzen steche ich mit aller Kraft in die zähe grüne Pflanzensuppe. Ich fange an zu schwitzen und gleichzeitig wird mir wieder bewusst: Ich bin ja allein. Und die Uckermark ist so ziemlich eine der unbewohntesten Gegenden Deutschlands. Ganz unglückliche Komposition. Als ich atemlos wieder das rettende Wasser erreiche, bin ich richtig stolz auf mich.

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…durch eine glitzernde Wasserallee und einem Eisvogel als Begleiter…

Und wie zur Belohnung folgt eine wunderschöne baumgesäumte Passage mit glasklarem Wasser, an der ich überraschend einen blauglänzenden Begleiter finde. Ein Eisvogel sitzt still auf einem Birkenast und beobachtet mich. Kaum, dass ich ihn erreiche, flattert er geschmeidig durch die Wasserallee vorwärts und präsentiert mir so sein wunderschönes blaues Gefieder. Wartet, gleitet erneut über den ruhigen Strom. Geduldet sich, fliegt nach meiner Ankunft flach über das Wasser. Sicher zwanzig Mal wiederholt sich so unsere nonverbale Kommunikation. Bis ich erneut eine Schilfpassage durchquere auf meiner Kanutour durch die Uckermark.

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…und nicht zu vergessen die leuchtenden Hausboote in Brandenburg!

Am Ende des engen Abschnitts ist es mit der Ruhe dann vorbei und ich bekomme ganz menschliche Gesellschaft. Die Uckermark stellt ein Eldorado für Hausboot-Liebhaber dar. Und so hefte ich mich an die Fersen eines strahlend orangenen Exemplares und versuche im Spaß, mitzukommen. Das gelingt mir kaum. Umso weniger auf dem folgenden großen See. Die Windgeschwindigkeit steigert sich, der Wellengang flößt mir Respekt ein, mit jedem Paddelschlag scheine ich nur zu verhindern, rückwärts getrieben zu werden. Als ich am Ende meiner Solotour ankomme, bin ich nass, meine Handballen schmerzen. Aber ich weiß: Das ist mein Reiseglück, dass ich teilen und weitergeben möchte.

Selten sehne ich den Tag, an dem unser Reisemäuschen schwimmen kann, mehr herbei…

Ich danke Tourismus Brandenburg und Biberburg Tours herzlich für dieses unvergessliches Erlebnis der Kanutour in der Uckermark. Was mir wichtig ist: Biberburg Tours bietet wirklich nachhaltige Übernachtungsmöglichkeiten und eine sehr herzliche Atmosphäre.

5 Kommentare zu “Biber und Hausboote – Kanutour in der Uckermark

  1. Woohoo,

    endlich ist der Bericht da 🙂 Das Anfangsbild kannte ich ja schon von instagram und war danach gespannt wie Bolle wann der Artikel erscheint. Wirklich sehr inspirierent geschrieben und kann nur zu gut deinem letzten Satz zustimmen. Ich kann es auch kaum erwarten bis zumindest einer unserer beiden Jungs schwimmen kann um ein Urlaub auf dem Hausboot.

    Viele Grüße

    1. Hallo lieber Christian, Danke für das Kompliment. Tut gut, nachdem mein Töchterchen heute Trotzkind spielt…ich kann die Gegend uneingeschränkt empfehlen. Wenn Du konkrete Tipps brauchst, einfach melden, ok? Herzliche Grüße, Christina

  2. Moin moin, ich bin auch oft in der Uckermark und wollte gern mal wissen, was „nachhaltiges Übernachten“ ist. Über eine Auskunft würde ich mich sehr freuen, vielen Dank im Voraus! Lieben Gruß, Jürgen

    1. Hallo Jürgen, das bedeutet ganz unterschiedliches. Beispielsweise folgendes (Auszug): 100% Ökostrom, Holzdämmung, Berechnung des Wassers nach Verbrauch, Kompensation von Restemmissionen durch brandenburgische Moor-Futures. Allgemein schon bei der Führung übers Gelände eine eindeutige Haltung zum Thema Nachhaltigkeit wie deutliche Hinweise zu Mülltrennung, Verbrauch von Ressourcen und auf die Lehrtafeln zum Thema Moor-Futures. Kein „sonstiger Müll“ wie Duschgelpröbchen oder extra Handtücher etcpp. Das nur als Auswahl. Der Kontakt zwischen Inhabern des Geländes und den Gästen ist sehr persönlich, man möchte die Menschen kennen lernen. Die Bebauung wirkt sehr harmonisch in die Umgebung integriert. Grundsätzlich wäre es allerdings am nachhaltigsten, ohne Dach über dem Kopf zu übernachten oder gleich daheim zu bleiben…Viel Freude bei Deiner weiteren Erkundung der Uckermark. Grüße, Christina

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