Entschädigung bei Flugverspätung auch für Babys?

Welche Rechte haben Passagiere bei Flugverspätung und gelten diese Rechte auch für Kinder unter 2 Jahren? Im heutigen Artikel stelle ich Euch die gesetzliche Lage vor und berichte von unseren Erfahrungen.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch folgende Artikel:

Entschädigung bei Flugverspätung: Ein Erfahrungsbericht
Haben auch Kinder oder Babys ein Anrecht auf Verspätung?
Fliegen mit Baby und Kleinkind: Der Vergleichstest
Ab wann können Eltern mit einem Baby fliegen?
Und der Pilot so: „Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie!“

Unser Reisemäuschen war gerade einmal gut 4 Monate alt, als uns das Fernwehfieber wieder packte. Zu früh gefreut. Denn über dem Genfer See hörten wir die Stimme unseres Piloten aus dem Cockpit: „Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie!“
Das Ende vom Lied: 13-stündige Flugverspätung. Verpassen der Anschlussfähre nach La Gomera. Extra Hotelsuche. Keine Unterstützung.

1. Welche Rechte haben Flugreisende bei Verspätungen?

Ein Mitreisender nahm uns zur Seite: „Sie haben einen Anspruch auf Entschädigung bei Flugverspätung. Nehmen Sie das in Anspruch!“ Wir erfuhren unter anderem, dass je nach Flugstrecke, Dauer der Verzögerung sowie Grund der Verzögerung ein unterschiedlicher Anspruch besteht (in einem weiteren Artikel habe ich diese Faktoren genau aufgeschlüsselt). Daheim angekommen erfuhr ich des Weiteren, dass Recht haben und Recht bekommen mal wieder zwei verschiedene Paar Stiefel sind.

2. Entschädigung bei Flugverspätung: Das Verhalten der Fluggesellschaft

Condor interessierte sich herzlich wenig für unsere Flugverspätung von 13 Stunden. So wirkte es zumindest nach einem regen Briefwechsel mit uns und unserem Anwalt auf mich. Wenn ich unseren Erfahrungsbericht mit genauer zeitlicher Abfolge nicht selbst geschrieben hätte – ich würde es kaum glauben.

3. Fluggastrechte für Kinder: Ein Baby erhält die Entschädigung

Unser Anwalt forderte pro Person 400€ Entschädigung von Condor ein. Insgesamt also 1200€. Nachdem das Luftfahrtunternehmen zumindest uns beiden Erwachsenen gegenüber eingelenkt hatte, teilte uns der Anwalt am 4.12.13 (also fast 12 Monate nach meiner ersten Kontaktaufnahme) mit: „Von der Gegenseite wird eine Buchung für Ihre Tochter bestritten!“ Die Aussage von Condor stützte sich auf den Sachverhalt, dass zwar ein Ticket, nicht aber ein Sitzplatzanspruch vorgelegen habe. Somit habe unsere Tochter keinen Anspruch auf eine Entschädigung im Sinne der Fluggastverordnung. Allerdings kommt uns Eltern hier ein Urteil des Amtsgericht Düsseldorf vom 30.6.2011 (Aktenzeichen 40 C 1745/11) zugute. Dieses Urteil sagt, auch ein unter 2-jähriges Kind ohne eigenen Sitzplatzanspruch ist „Fluggast im Sinne der Verordnung. Fluggast ist jeder, der als Flugzeuginsasse nicht zum fliegenden Personal oder zum Flugpersonal zählt. Auf die Reservierung kommt es insoweit nicht an.“ Sondern eben nur auf eine Buchung, ganz gleich wie niedrig dabei der Ticketpreis war. Wer das Risiko eines privaten Anwalts nicht eingehen möchte kann sich aber auch an Dienstleister wie Flug-Verspaetet.de wenden, die auch im Falle, dass der Anspruch abgelehnt wird, keine Kosten berechnen.

Ende gut, alles gut

Gut 1 Jahr und 3 Monate nach unserem verspäteten Flug wurde uns die volle Entschädigung überwiesen. Die Moral: Haltet durch und lasst Euch nicht für dumm verkaufen.

Ich danke www.flug-verspaetet.de für die Unterstützung dieses Artikels.

6 Kommentare zu “Entschädigung bei Flugverspätung auch für Babys?

  1. Hallo,

    der BGH folgt dieser Argumentation leider: wer für den Flug nicht zahlt, kann aus einer Verspätung, Nichtbeförderung oder Annullierung keine Rechte herleiten.

    Schönen Gruß aus Köln

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