Estlands Insel Hiiumaa: Was Ihr dort erleben könnt – Teil 1

Jeder Estlandreisende kennt die Insel Saaremaa westlich des Festlandes. Für diejenigen, die das etwas ursprünglichere Estland kennen lernen möchten, haben wir einen Tipp: Die direkt nebenan liegende Insel Hiiumaa. Wir haben uns in diese Insel verliebt. Warum grade die äußerste Nordspitze von Hiiumaa eine Erkundung wert ist, davon erzähle ich Euch heute.

Inzwischen ist auch der zweite Teil zur Insel Hiiumaa veröffentlicht!

Estlands Insel Hiiumaa: Was Ihr dort erleben könnt – Teil 2!

Die Halbinsel Tahkuna

Der strahlend weiße Leuchtturm an der äußersten Nordspitze von Hiiumaa

Der strahlend weiße Leuchtturm an der äußersten Nordspitze von Hiiumaa

Die Halbinsel Tahkuna liegt im Norden der Insel Hiiumaa. Dieser kleine Zipfel Land hat mich an ganz Estland beinahe am meisten begeistert. Ihr fahrt auf einem schlängeligen Weg durch den Kieferwald, immer weiter und weiter und auf einmal öffnet sich der Weg zum strahlend weißen Leuchtturm mit seiner knallroten Haube an der Nordspitze der Halbinsel. Der Wind bläst die Lungen frei, der Blick streift über das weite klare Meer, das am Strand bedeckt ist mit Findlingen. Diese Steine als Überbleibsel der Eiszeit verstärken den schroffen Eindruck der wilden Küste.

Tahkuna Leuchtturm: Ein beeindruckender Ausblick

 

Urlaub = Bart

Urlaub = Bart

Aber ich bin so gespannt auf den Ausblick vom Turm. Also rauf! Wir sind die einzigen Gäste, die Sonne macht sich bereits auf den Weg Richtung Meer. Wir sind so froh, den Tragerucksack für Paulina auf unserer Reise dabei zu haben. Sie hat den optimalen Rundumblick und wir beide Hände frei, um die steilen Eisentreppen zu erklimmen. Oben angekommen: Freiheit, Weite und sattes Grün des Waldes, strahlendes Blau von Himmel und Meer. Wir bleiben lange oben und wissen: Das ist einer der Augenblicke, an die wir uns immer erinnern werden. Die anderen Leuchttürme, die ich unter anderem im zweiten Artikel zur Insel Hiiumaa beschreibe, sind nicht minder beeindruckend!

Denkmal für die ertrunkenen Kinder des Estonia-Unglücks

Zur Erinnerung an die ertrunkenen Kinder vor der Küste Estlands

Zur Erinnerung an die ertrunkenen Kinder vor der Küste Estlands

Unten angekommen wenden wir uns rechts einer frei schwingenden Glocke direkt am Meersaum zu. Dieses Mahnmal verursacht Gänsehaut. Es erinnert an die ertrunkenen Kinder des gesunkenen Schiffs „Estonia“ von 1994. Auf vier Seiten der Glocke sind Kindergesichter geschmiedet, Blumen liegen dem Gedenkort zu Füßen. Wenn der Wind in der Stärke und aus der Richtung wie in der Unglücksnacht weht, läutet die Glocke…

Gänsehaut in russischen Bunkern

Was verbirgt sich in diesen Bunkern? Wir sind neugierig...

Was verbirgt sich in diesen Bunkern? Wir sind neugierig…

Auf dem Rückweg trauen wir uns dann noch in die schwarzen Löcher der Betonbunker am Waldrand. Der Blick gewöhnt sich auch nach längerer Zeit nicht an die Dunkelheit, den es fällt durch keinen Spalt ein Funken Licht. Also nehmen wir unser Handylicht zu Hilfe und leuchten uns den Weg frei.

In den russischen Bunkern wagen wir uns von Raum zu Raum vor.

In den russischen Bunkern wagen wir uns von Raum zu Raum vor.

Gruselig, zu wissen, dass hier im letzten Jahrhundert Gefechte stattfanden. Russische und deutsche Soldaten sich Auge in Auge gegenüberstanden. Irgendwie erwarte ich immer, dass hinter der nächsten Ecke ein Soldat hervorspringt. Meine blühende Phantasie wieder. Ich lenke mich von meinem Herzklopfen ab, indem ich Paulina auf dem Rücken irgendeinen Quatsch erzähle. Beeindruckt verlassen wir das feucht-kalte enge Gemäuer wieder ins wärmende Sonnenlicht. Aufregend.

Klein, aber mein! Entspannen vor unserer einfachen Campinghütte.

Klein, aber mein! Entspannen vor unserer einfachen Campinghütte.

Fakten

Die wirklich gelungene Seite von „Visit Estonia“ informiert über die genauen Standorte, Öffnungszeiten des Leuchtturms und hält Informationen über die Geschichte der Bunker und des Mahnmals bereit.

21 Kommentare zu “Estlands Insel Hiiumaa: Was Ihr dort erleben könnt – Teil 1

  1. Wow, wahnsinnig tolle Fotos und ein spannender Bericht! Ich will auch in die Bunker gucken… kann man da einfach so rein? Genial… mein inneres Kind schreit gerade „ich will aaaauuuuch!“ das hat mich (nicht nur) früher magisch angezogen… Liebe Grüße, Janina

    1. Liebe Janina, danke für das Kompliment 🙂 Die Bunker sind unbewacht, ohne Eintritt, einfach so im Nichts. Das macht es umso spannender. Geh einfach rein und lass Dein inneres Kind jubeln! Hier siehst Du die genaue Lage.

  2. Ich habe ein halbes Jahr in Estland gelebt und habe das Land lieben gelernt. Daher freue ich mich immer, wenn ich etwas darüber lese. Auf Hiiumaa war ich leider nie, aber vielleicht läßt sich das ja bei einem Besuch zum 10Jährigen Jubiläum nächstes Jahr nachholen. Ich bin gespannt auf Deinen nächsten Bericht 🙂

    1. Ich muss mich richtig zusammenreißen, nicht einen Estlandartikel nach dem anderen zu schreiben. Dieses Land ist einfach wunderbar. Wenn Du dort gelebt hast, kennst Du es ja noch viel tiefer. Beneidenswert!

  3. Toll! Hiiumaa haben wir auf unserer Tour vorletzten Sommer ausgelassen, leider. Auf Saaremaa hatten wir ein ähnlich tolles Spaziergangserlebnis, ganz im Nordwesten. Ohne Bunker, aber dafür war der Leuchtturm schief. 🙂 Das Großartige an diesem Land ist ja, dass es einfach so viel Platz und Luft zum Atmen gibt, dass man selbst im Sommer (außerhalb von Tallinn) kaum jemals über andere Touristen stolpert. Hach, ich krieg schon wieder Sehnsucht nach dem Baltikum…

    Liebe Grüße,
    Lena

    1. Hallo Lena, wenigstens noch einen Artikel über Estland habe ich noch in petto. Daran merkst Du, dass meine Sehnsucht nach dem Baltikum auch ziemlich stark ist…Wenn Ihr den Nordwesten von Saaremaa erkundet habt, habt Ihr ja auch Eure Ruhe gehabt und Euch nicht auf der Touristenroute zwischen Fähre und Kuressaare bewegt. Wenn Du einen Artikel dazu geschrieben hast, kannst Du den gern hier verlinken. Liebe Grüße, Christina

  4. tooooll, christina. da will ich jetzt hin, sofort. woher soll ich nur die zeit für all die schönen orte nehmen??? diese bunker sind echt gruselig, aber irgendwie sollte man sowas auch mal gesehen haben. ich fands übrigens sooo klasse, daß wir uns mal kennengelernt haben. wenn auch zu kurz. glg, nadine

    1. Liebe Nadine, ja, das denke ich auch immer, wenn ich in Reiseberichten stöbere. Manchmal sitze ich einfach zuhause vor unserer Weltkarte aus Wolle und träume vor mich hin. Dieses Fernweh ist schon ein Graus 😉 Ich bin auch froh, dass unser „Blinddate“ doch noch kurz geklappt hat! Hoffentlich nicht erst bis zur nächsten ITB! Herzliche Grüße, Christina

    1. Hallo Holger, das ist das schönste Lob für mich als Bloggerin, wenn Dich der Artikel zum Fernweh verleitet. Es lohnt sich! Ich gebe gern noch viel mehr Tipps für eine Reise dorthin. Unterkunft, Orte, Restaurants, Wanderungen…Liebe Grüße, Christina

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