Geburt im Urlaub: Interview mit Miriam

Geburt im Urlaub. Im TV bin ich über einen Betrag dazu gestolpert. Dabei war unter anderem die Geschichte einer Frau, die im Flugzeug über Westafrika mit Hilfe von Stewardessen geboren hat. Auch Miriam und ihr Mann durften das zweite Kind im Urlaub willkommen heißen. Heute erzählt sie Euch ihre spannende Geschichte von ihrer Geburt im Urlaub.

Miriam, wo und in welcher Schwangerschaftswoche hast Du Deinen Sohn geboren?

Das war am 7.7.2016 an 35+6, also im zehnten Monat. Wir waren „nur“ an der Ostsee in Grömitz, hatten dort eine Ferienwohnung.

Hast Du vorher irgendwelche Anzeichen gehabt, dass es früher losgehen könnte, als vermutet? Dass eine Geburt im Urlaub anstehen könnte?

Im Gegenteil! Genau eine Woche vorher war ich noch zum Routinecheck beim Arzt, und der beruhigte uns noch: „Da steht noch gar keine Anzeichen auf Geburt, fahren Sie mal ganz beruhigt in den Urlaub.“ Übungs- oder Senkwehen hatte ich auch nicht und auch sonst war alles „wie immer“.

Welche Gründe hattet Ihr, zu diesem Zeitpunkt noch in den Urlaub zu fahren?

Entspannung! Nochmal etwas Zeit zu dritt verbringen ehe meine Große uns mit ihrem Bruder teilen muss. Wir hatten den Urlaub gebucht, kurz bevor ich wieder schwanger wurde, zwar mit Reiserücktrittsversicherung, aber da es mir bis auf die üblichen Zipperlein gut ging, bestand kein Anlass, die in Anspruch zu nehmen.

Beschreibe doch mal die Situation, in der Dir bewusst wurde, dass Dein Kind nicht daheim auf die Welt kommen wird?

Wir waren den ganzen Tag schon unterwegs und es ziepte immer mal etwas. Ich dachte, das seien Senkwehen (die hatte ich beim ersten Kind nicht). Gegen Nachmittag wurden das immer mehr, ich musste immer mehr und immer längere Pausen machen beim Laufen und watschelte nur noch. Da hab ich aber immer noch gedacht, dass käme von der Bewegung und würde mit Ruhe weggehen.

Wehen im 6-Minuten-Abstand…

Gegen sechs waren wir wieder in der Wohnung, mein Mann kochte was Schnelles für meine Tochter und warf mir immer wieder prüfende Blicke zu (ich lag auf dem Sofa und lud heimlich mal nen Wehentimer runter…). Abends sollte Deutschland gegen Frankreich spielen und die Wehenapp sagte mir 6 Minuten, ziemlich regelmäßig, für etwa 30 Sekunden. Ich ging in die Wanne, da wurde der Abstand etwas mehr, aber die Intensität nahm nicht ab. Da ahnte ich schon was, aber ich wollte nicht. 😀

Und die Abstände werden noch kürzer…

Als ich aus der Wanne kam, war es kurz nach sieben, mein Mann steckte das Kind ins Bett und ich rief mal meine Hebamme zu Hause an. Sie sagte nur: „Miri, denk dran – ihr werdet auch ne Weile ins KH brauchen! Meinst du denn, er kommt? Was sagt dein Bauchgefühl?“ – „Neeee. Der kommt heut nicht!“ hab ich geantwortet. Ne halbe Stunde später hockte ich im Vierfüßler auf dem Sofa, weil ich es anders nicht aushielt. 4 Minuten. Der Mann kam vom Bettbringen zurück, und plötzlich wusste ichs. „Du musst n Krankenwagen rufen. Das sind Geburtswehen“, hab ich gesagt. Bis der Rettungswagen kam (mit Blaulicht und Sirene!), lief ich in der Küche auf und ab.

Wenn Du Deine Geburten vergleichst: Wie lief dann die Geburt im Urlaub und die Geburt zuhause ab?

Die Geburt der Tochter im heimischen Krankenhaus

Bei der ersten Geburt fing  es klassisch an. Blasensprung um halb zehn, ab zehn Wehen im 2-Minuten-Takt, Kind war um fünf da. Es gab ein paar Komplikationen (Sternguckerin, sie hing mit der Schulter fest). Ich hatte einen Wehensturm und war um eins schon fix und fertig. Bekam noch eine PDA und musste aufgrund von überfüllten Kreißsälen in einem Untersuchungsraum entbinden. Wegen mir musste eine Hebamme aus der Bereitschaft angerufen werden. Presswehen begannen gegen eins, aber weil sie nicht ins Becken rutschte, durfte ich nicht pressen. Als sie kam (mit Saugglocke), war sie blau und schlaff, hatte die Nabelschnur um den Hals, wurde sofort abgenabelt und keiner hat mir uns gesprochen. Sie fing schnell von selbst an zu atmen, aber das waren die schlimmsten Minuten überhaupt. Das war eine Krankenhausgeburt. Der Arzt, der meine Tochter auf die Welt holte, war mein Frauenarzt. Der kam extra um vier ins Krankenhaus, er ist dort Belegarzt. Das fand ich sehr nett!

Die Geburt des Sohnes im Urlaub

Geburt im UrlaubMein Sohn kam ebenfalls im Krankenhaus, aber da wurde der Kreißsaal von freien Hebammen geleitet. Sie war fast die ganze Zeit bei mir und fragte immer wieder nach meinen Wünschen. Mann und Kind sollten nachkommen, wenn sie so 2 Stunden geschlafen hatte. Als ich gegen neun im Krankenhaus ankam, hatte ich einen 2-Minuten-Abstand und fürchtete, dass mein Mann nicht dabei sein könnte. Er hat’s rechtzeitig geschafft, grad so. Meine Tochter durfte natürlich nicht mit in den Kreißsaal, aber eine liebe Laborantin nahm sie mit und beschäftigte sie. Das war ganz große Klasse! Wir hatten ja niemanden dabei, der aufpassen konnte. Und ich brauchte meinen Mann einfach. Die Hebamme sagte noch „Dein Kind kommt noch vor elf.“ Kurz darauf sprang die Blase, relativ bald setzten Presswehen ein und nach dreien war mein Sohn da: 22:58 Uhr. Diesmal durfte mein Mann abnabeln. Und als ich genäht war, durfte meine Tochter zu uns, dabei ist eins der schönsten Bilder entstanden. Im Vergleich zur anderen Geburt war das richtig schön. Diesmal wusste ich auch, was ich wollte und worauf ich achten musste. Allein das unterscheidet eine weitere Geburt schon von der ersten. Da ist man ja noch völlig unwissend.

Welche Tipps würdest Du anderen Eltern geben, wenn sie merken, dass eine Geburt im Urlaub ansteht?

Im Vorfeld: nehmt sicherheitshalber mit, was ihr braucht. Wir hatten den MaxiCosi dabei, ein Kleidungsset für das Baby und unser Stammbuch mit allen Urkunden. Denn: ein Kind muss dort beim Standesamt angemeldet werden, wo es geboren wird! Informiert euch im Vorfeld, wo man entbinden kann (bei uns wäre das schnellste Lübeck gewesen, aber dort war wegen des Fussballspiels viel wegen Public Viewing gesperrt, deshalb brachte man mich nach Eutin). Meine Hebamme hier zu Hause meinte, ich hätte das da schon unterbewusst geahnt und alles mitgenommen.

Hat alles mit der Krankenkasse geklappt? Wie ist das abgelaufen?

Ganz problemlos, weil es ja Deutschland war. Hinterher rief aber noch ein Mitarbeiter an und fragte, ob es richtig sei, der Geburtsort auf der Urkunde sei ja nicht unser Wohnort? 😀

Gibt es etwas zum Thema „Geburt im Urlaub“, was Dir noch wichtig ist?

Hm, wir sind mit Baby dann 2 Tage eher zurückgefahren (samstags; donnerstags kam der Kleine). Das ist nicht empfehlenswert nach einer Geburt. Ich konnte nicht besonders gut sitzen. *hust* Übrigens wollte die Reiseabbruchsversicherung die eine Übernachtung auch nicht zahlen, das sei kein Grund. Nun ja, egal – immerhin haben wir das schönste Souvenir mitgenommen, das es gibt!

Herzlichen Dank, Miriam, dass Du Deine aufregende Geschichte mit uns geteilt hast.

Gibt es unter Euch Leserinnen auch Frauen, die eine Geburt im Urlaub erlebt haben? Bitte kommentiert doch, ich würde mich sehr freuen!

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