Gib "Mommy wars" keine Chance! – Gegen Elternfaschismus auf Reisen

„Mommy Wars!“ – Dieser Begriff geistert derzeit durch viele von Eltern verfasste Blogs. Konflikte, die Eltern entzweien. Undemokratische Standpunkte. Fast schon totalitäre Ausmaße, so will man meinen. Elternfaschismus! Situationen, in denen auch gute Freundinnen an den Rand ihrer Geduld kommen. „Mama on the rocks“ hat sogar eine eigene Blogparade gemeinsam mit Momsoffice und Muffinqueen dazu ins Leben gerufen (Zu der ich leider zu spät kam, schnüff)! Vorwiegend Mütter mit unterschiedlichen Rollenvorstellungen und Erziehungsmethoden sind Teilnehmer dieses Kampfes. Häufig gespeist aus eigener Unsicherheit. Die eigene Meinung muss insofern vehement verteidigt und die gegenteilige herabgewürdigt werden. „Mommy Wars“ auf Reisen – gibt es das eigentlich auch?

Ich persönlich bin dankbar dafür, mich im Alltag mit sehr toleranten Müttern umgeben zu dürfen. Unbewusst halte ich mich von denjenigen fern, die nur ihre eigenen Meinung gelten lassen. Sowohl im alltäglichen Leben als auch virtuell. Das ist ganz einfach Selbstschutz. Wobei auch ich mich blenden lasse von den Supermuttis, die doch auch nur 20% von sich zeigen und ihre eigene Unsicherheit verbergen.

Wie ist das eigentlich auf Reisen? Wie erlebe ich den Kontakt zu anderen reisenden Eltern oder einheimischen Familien?

Auf dem Spielplatz unterwegs: Estland

Philinsmom hat einen interessanten Beitrag zur Blogparade beigetragen. So proklamiert sie: „Auf dem Spielplatz herrscht Waffenstillstand!“ und hinterfragt auch, warum wir die Zicke nicht einmal dort hinter uns lassen können. Auf Reisen empfinde ich auf Spielplätzen eher Neugier und hoffe, mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. So in Estland auf dem Spielplatz am Domberg von Tartu. Ich bin gespannt, wie Eltern anderer Kulturen mit ihren Kindern umgehen und empfinde das nicht als Angriff auf mich, sondern als Bereicherung. Und freue mich dann umso mehr, wenn der Umgang miteinander gar nicht so anders ist.

Bei anderen Familien zu Gast: Schweden

Die Erinnerung an unseren Couchsurfing-Aufenthalt in einer schwedischen Familie löst noch heute warme Gefühle in mir aus. Unsere Kinder gleichalt, neugierig aufeinander, vorsichtig den Kontakt knüpfend. Und wir Eltern: Fasziniert, wie es keine Worte braucht, keine Fremdsprachenkenntnisse, um gemeinsam mit Klötzchen zu spielen oder den Ball hin und her zu rollen. Wir waren fern von jeglicher „Vergleicheritis“ und wussten allesamt: „Kinder sind kein Wettbewerb“, wie es bei „Papaleaks“ so schön zu lesen ist.

Elterngemeinschaft im Hotel: Bibione

Mit anderen Familienreisebloggern waren wir im Mai zu einer Reise nach Italien – genauer nach Bibione, einem DER Pauschaltouristenorte – eingeladen. In ein Familienhotel. Zumindest dort müssten wir doch auf einen „Mommy War“ treffen, oder? Fehlanzeige! Wir freuten uns sehr, gemeinsam mit Planet Hibbel, Meehr erleben und Butterflyfish inklusive Anhang eine schöne Zeit zu verbringen. Tatsächlich stellten wir untereinander fest, dass dies uns sogar teilweise wichtiger war als das Reiseziel selbst. Auch im Spielbereich, in dem wir Kontakt zu Eltern gleichaltriger Kindern hatten, war es einfach schön, Gesprächspartner zu haben und sich auszutauschen.

Mommy Wars auf Reisen – ja, wo denn nun?

Das hört sich alles etwas zu harmonisch an? Geht mir ähnlich. Allerdings habe ich eine Vermutung, warum. In jeder dieser Situation fanden wir nur wenige Eltern vor. In Schweden waren wir die einzigen Eltern weit und breit, der estnische Spielplatz schien eher ent- den bevölkert und in Bibione durften wir dankbarerweise die Vorsaison mit gähnend leerem Strand genießen. Meine Vermutung: Beim Kampf um die Schattenplätze zum Schutz der empfindlichen Kinderhaut oder an den überfüllten Poolrutschen in der Hochsaison will ich nicht anwesend sein. Insofern haben wir ja den richtigen Weg gewählt, wenn es nach „Mutter & Söhnchen“ geht, die bewusst beim zweiten Kind die klassischen Kampfschauplätze wie Pekipkurs und Babymassage umgeht.

Kennt Ihr „Mommy Wars“ unterwegs? Wie findet Ihr überhaupt diesen Begriff? Königin Frosch fragte auf Twitter nicht zu unrecht „Werden da Mütter erschossen“? Und auch ich habe ja recht provokant im Titel sogar den Begriff „Faschismus“ gewählt…

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von „Munichs Working Mom“ Elterliches Miteinander statt Gegeneinander. Nehmt doch auch teil und zeigt, dass wir Eltern auch gemeinsam stark sein können.

2 Kommentare zu “Gib "Mommy wars" keine Chance! – Gegen Elternfaschismus auf Reisen

  1. Also mir ist das Thema Mommy Wars auf Reisen noch nie begegnet. Vielleicht sind die Menschen da aber auch einfach entspannter und toleranter. Aus dem Alltag kenn ich das Thema Müttermafia allerdings. Hauptsächlich im Beruf. Und jaaaa Bibione war echt schön. Aber Du hast Recht. Wir hätten uns auch in der Tundra oder in Wanne-Eickel treffen können ;). GlG/ Nadine

    1. Das mag auch ein wichtiger Faktor sein, Nadine. Ich glaub, im Beruf sind einfach zu viele Männer um mich herum 😛 Und die Frauen in meinem Alter haben keine Kinder…Na, dann bis bald in Wanne-Eickel! Oder Bottrop? 😉

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