Vom Spagat zwischen flügge werden und Nähe suchen

Unsere Große ist seit kurzer Zeit ein Vorschulkind. Wenn ich ihr hinterherblicke, wie sie mit großen Schritten in die Kita eilt. Wenn wir erstaunt ihrem größer und erwachsener werdendem Wortschatz lauschen. Dann ist uns klar: Wieder hat sie einen Sprung in ihrer Entwicklung gemacht. Nicht wenig hat sicherlich dazu beigetragen, dass sie nun große Schwester ist. Sie musste vom Tag der Geburt der Kleinen an einiges etwas selbständiger händeln.

Nicht immer gefällt mir das flügge werden in diesem Tempo so gut. Einerseits bin ich begeistert über zunehmenden Freiraum. Ich kann mich Nachmittags auch mal entspannt aufs Sofa setzen und Kaffee trinken (KANN, ich habe doch meist Hummeln im Hintern…). Ich muss nicht ständig Angst haben, dass sie Treppen hinunter purzelt. Sich mit der Schere Finger abschneidet. Ich freue mich auch darüber, gemeinsam mit ihr in der Parfümerie über verschiedene Duftnoten zu fachsimpeln. Das Abendessen zusammen ganz entspannt vorzubereiten. Ich merke, dass dieser „Freundinnen-Aspekt“ immer öfter zum Vorschein kommt.

Der anstrengende Aspekt des selbständiger Werdens: Sie fordert die Selbständigkeit auch ein. Wie oft signalisiert sie: Das kann ich schon alleine. Und sehr häufig hat sie damit auch recht. Ich erinnere mich sehr gut, wie ich vor kurzem auf dem Spielplatz Blut und Wasser schwitzte, weil sie auf dem Klettergerüst in schwindelerregende Höhen kletterte. Und dann bewies, wie sicher sie ihre Fähigkeit unter Kontrolle hat. Verblüffend. Oder auch morgens beim Anziehen: Sie hat ihren ganz eigenen Kopf beim Outfit wählen. Welche Kleidungsstücke zueinander passen, entscheidet ganz allein der 5-jährige Dickkopf. Wir haben eine Regel: Solange es der Witterung entspricht und altersgemäß ist, darf sie ihre tägliche Kleidung selbst wählen. In Stil und Kombination ihrer Kinderkleidung ist sie frei. Denn ganz ehrlich: Gibt es einen vernünftigen Grund, warum wir Eltern da rein reden sollten? Außer unserer eigenen persönlichen Meinung? Na eben.

Auf der anderen Seite sucht sie doch immer weiter unsere Nähe. Wie oft höre ich ein „Guck mal, Mama!“ Sie möchte, dass wir ihre Bastelkunstwerke bewundern. Ist so stolz auf ihre Kreationen. Und nicht selten fragt sie, ob sie bei uns übernachten darf. Wenn sie Monster und Geister in ihrem Zimmer wittert. Und es ist immer noch so, dass sie unterwegs gern meine Hand nimmt auf dem Weg zur Kita. Und sie dann NICHT loslässt beim Betreten der Räume. Es ist ihr noch nicht peinlich. Und ich freue mich über diese Nähe. Ich weiß, diese Zeit ist begrenzt. Es ist absehbar, dass sie sich weiter abnabelt und ihren eigenen Weg geht.

Es wird der Tag kommen, an dem sie das erste Mal den Weg zur Schule alleine in Angriff nimmt. Oder – Gott bewahre – alleine hinter dem Steuer eines Autos sitzt. Es ist immer auch ein Abnablungsprozess, den wir Eltern zu bewältigen haben.

Und so wie wir das Loslassen aus dem Bauch, in die Kinderbetreuung und zu Besuchen alleine bei Freunden und Verwandten bewältigt haben. So werden wir auch diese Schritte gemeinsam schaffen.

Mit freundlicher Unterstützung von Tchibo.

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