Citytrip Berlin mit Kindern und Jugendlichen: Shopping, Geschichte und Agentenabenteuer

Familienreise Berlin

Berlin bietet für jede Lebensphase unterschiedlichste Erlebnisse. Wir haben als junge Erwachsene die Partyseite der Hauptstadt kennen gelernt. Während der Reisemesse ITB und als Berater vor allem mit dem beruflichen Blick darauf geschaut. Mit Kindern und Jugendlchen ist der Fokus wieder ein völlig anderer. Und vor allem besteht hier eine ganz besondere Herausforderung: Die Interessen von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenbringen. Diese Quadratur des Kreises ist uns meiner Meinung nach fantastisch gelungen. Hier meine Tipps zum Citytrip Berlin mit Kindern und Jugendlichen.

Vorab: Wer hier erwartet, eine umfangreiche Abhandlung über komplett alle Freizeitaktivitäten Berlins für Familien zu bekommen, den muss ich direkt enttäuschen. Aber wenn Ihr lesen wollt, welche Mischung an Erlebnissen uns an diesem Wochenende glücklich gemacht hat und es uns gleichtun wollt, bittesehr.

Reichstag Berlin mit Familie

Der Blick vom Dach der deutschen Demokratie ist etwas, das für Kinder auch ohne großes politisches Vorwissen sehr spannend ist.

Allein der Blick von der Kuppel des Reichstags, der schneckenhausartige Aufstieg bis an die Spitze und die Aussicht auf weitere wichtige Orte in unserer Hauptstadt lohnt die wirklich kurze Wartezeit.

Dadurch, dass man bereits im Vorfeld einen fixen Slot bucht und dieser auch korrekt eingehalten wird, ist der Ablauf des Besuchs ganz fantastisch geschmeidig.

Und sogar kostenlos, schließlich soll es allen Bürgern möglich sein, diesen besonderen Ort würdigen zu können.

Mit dem Aufzug fahrt ihr auf die Ebene der Dachterasse. Dort erhaltet Ihr bei Bedarf einen Audioguide. Und der Nachwuchs sogar ein Exemplar für Kinder.

Kreisförmig wandert Ihr den barrierefreien breiten Weg immer im Kreis herum hinauf und werdet dabei auf historische Orte hingewiesen und erhaltet Hintergrundinformationen. Vom Brandenburger Tor über Charité bis hin zur Siegessäule oder Rotem Rathaus habt Ihr eine fabelhafte Aussicht über Berlin.

Wer mag, kann auch öffentlichen Sitzungen beiwohnen oder an Führungen teilnehmen, allerdings ist auch hier eine Voranmeldung notwendig. Achtet darauf, ob gerade Sitzungswochen sind.

Unsere Kinder wünschten sich im Anschluss ein handfestes Berliner Essen. Darunter verstehen sie die bekannte Burgerkette „Burgermeister“, die einige Male in der Hauptstadt vertreten ist.

Da wir im Anschluss mit dem berühmten 100er-Bus Richtung Alexanderplatz aufbrachen, wurde es die Filiale am Alex.

Haus der Wannseekonferenz

Auf dem Weg von Potsdam bis nach Berlin lohnt sich nicht nur ein Stop an der Glieniker Brücke. Der Agentenbrücke, die bereits in „Bridge of Spies – der Unterhändler“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle zu Ehren kam.

Auch das Haus der Wannseekonferenz ist ein wichtiger und lohnender historischer Ort. Hier gibt es einen weiteren sehr empfehlenswerten Film, den Ihr vielleicht noch in der ZDF-Mediathek finden könnt.

Am 20. Januar 1942 trafen sich auf Einladung von Reinard Heydrich hochrangige NS-Vertreter, um die systematische Deportation und Ermordung europäischer Jüdinnen und Juden zu koordinieren.

Als streng organisierte, hoch bürokratische und effektive Planung brachte hier jeder der 15 Beteiligten sein Wissen, seine Kontakte, Kenntnisse ein.

Die Männer, die an diesem Januarmorgen zusammenkamen, repräsentierten die gesamte Funktionslogik des NS‑Staates. Es gab Beteligte wie Heydrich und Eichmann, die die Deportationen und den Terrorapparat organisierten. Dann Verwaltungs- und Ostgebietsvertreter, die steuerten, wie das Projekt in den besetzten Regionen ungesetzt werden sollte.

Juristen, die den Massenmord zum Beispiel durch die Nürnberger Rassegesetze scheinbar gesetzlich legitimierten und juristisch untermauerten.

Wirtschafts- und Kanzleibeamte, die die Zwangsarbeit burokratisch organisierten.

Und auch das Auswärtige Amt, das die internationale Koordination der Deportationen sicherstellte.

Gemeinsam bildeten sie das perfekt verzahnte gruselige Netzwerk, das die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden nicht nur plante, sondern sogar effizient machte.

Schrecklich systematisch wie in einer Mordfirma war das „Projekt Endlösung“ geplant, wobei dieser heute so geflügelte Begriff der Endlösung im Rahmen der Planung niemals fiel. Es ging immer recht euphemistisch um „Evakuierung“, „Behandlung“ oder „Umsiedlung“.

Wunderschön gelegen und museumspädagogisch fabelhaft aufbereitet lohnt hier ein eindrücklicher Aufenthalt.

Shopping im Osten: Eastside Mall

Wer junge Teenies und große Grundschulkinder im Schlepptau hat, dem ist die Sängerin und Tiktokerin Zahide und auch das Jugend- und Popkultur-Phändomen Lunatix ein Begriff.

Dieser Ort ist weit mehr als eine Tanzschule. Der Gründer und Streetdancer Sedar hat Lunatix bewusst als sicheren Ort für Kinder und Jugendliche aufgebaut. Schwerpunkte sind neben den verschiedenen urbanen Tanzstilen die Themen Empowerment, Anti-Mobbing und soziale Förderung.

Lunatix ist das erste Tanzstudio (einmal in West-Charlottenburg und einmal in Ost-Friedrichshain), das in Einkaufszentren eröffnete. Symbolisch für die Niederschwielligkeit.

Insofern kein Wunder, dass die Eastside Mall in Berlin-Friedrichshain von uns fest im Berlin-Sightseeing eingeplant war.

Wir Eltern richteten uns häuslich im gemütlichen Café daneben ein, die Kinder lungerten auf der Ebene der Tanzschule herum und entdeckten sogar einen bekannten Tiktoker, den wir Eltern aber natürlich nicht erkannten ;-)

Checkpoint Charly als Familie

Checkpoint Charly ist ein besonders eindrucksvoller Ort, weil er die Geschichte besonders greifbar macht. Hier stand früher die berühmteste Grenze der Welt. Unsere Kinder haben diesen Ort bereits in Filmen gesehen und somit war der Zugang dazu ganz leicht.

Durch das weiße Häuschen in der Mitte der Straße, die rekonstruierte Grenzkontrollenbarake der USA, wird die Vergangenheit umso lebendiger.

Manche halten diesen Ort eher für Popkultur und als Oberflächlichkeit. Allerdings findet sich direkt daneben eine fantastische öffentliche Ausstellung zu den Ereignissen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges bis hin zum Mauerfall. Fotodokumente, Landkarten, Texte, Zitate. Hier lässt sich ganz viel Zeit verbringen und geschichtliches Wissen auffrischen.

Topographie des Terrors

Wenige Meter vom Checkpoint Charly entfernt befindet sich die „Topographie des Terrors“.

Auf dem ehemaligen Gelände von SS und Gestapo zeigt die Ausstellung, wie der Terrorapparat funktionierte. Fundamente sind freigelegt worden, ein Teil der ehemaligen Mauer befindet sich direkt daneben.

Mein Gehirn war so voll von Lernorten an diesem Tag, dass ich den Platz einfach auf mich wirken ließ. Und auch die Kinder freuten sich eher auf den Programmpunkt – Mall of Berlin – der danach folgte.

Sven war noch aufnahmefähig und so genossen wir die Sonne dort, während er über das Gelände stromerte.

Direkt daneben befindet sich das heutige Finanzministerium, das ehemalige Reichsluftfahrtministerium von Herman Göring. Ein strenges Gebäude, dass die Macht förmlich ausströmt. Nicht ohne Grund wurde diese Architektur im NS-Regime gewählt. Der Mensch soll sich neben diesem übermächtigen, bulligen Bau klein und unbedeutend fühlen. Diese Archtekturpsychologie wurde ebenfalls im DDR-Regime angewendet und auch in Osteuropa findet man diese Spuren. Einmal im Jahr gibt es hier übrigens einen Tag der offenen Tür.

Shopping deluxe: Mall of Berlin als Familie

Eines der größten und auch modernsten Shopping-Centren in Berlin befindet sich am Leipziger Platz. Geradezu ein Pilgerort unserer Töchter.

Mit dem größten Foodcourt der Stadt und unzähligen Einkaufsbereichen und -ebenen verbrachten wir hier sicherlich über 3 Stunden und hatten lange nicht alles gesehen.

Wir Eltern suchten uns wieder eine gemütliche „Homebase“, während die Kinder die Läden erkundeten.

Mit sehr speziellen Essern in unserer Familie waren wir richtig dankbar für den umfangreichen und abwechslungsreichen Foodcourt. Shawarma, Burger, indisch, italienisch, Salatbar, Döner, vegan, vegetarisch, alles machbar und frisch zubereitet.

Nach dem Shoppingtrip lohnt ein kurzer Hüpfer zum Potsdamer Platz direkt nebenan. Die Architektur ist einen Blick wert.

Agentenabenteuer als Familie: Das deutsche Spionagemuseum

Auch direkt am Leipziger Platz, beziehungsweise Potsdamer Platz gelegen: Das faszinierende deutsche Spionagemuseum. Auf über 3.000 Quadratmetern taucht Ihr ein in die faszinierenden Geschichten von Agenten, Geheimdiensten und spektakulären Spionagefällen.

Von den Anfängen wie einem Judas in der Geschichte Jesu bis hin zu James Bond geht Ihr auf Spurensuche.

Direkt am Anfang startet Ihr mit einer Durchleuchtungsschranke, die gleich die richtige Stimmung erzeugt.

Wer sich ein wenig mit Spionage auskennt, wird sich vor allem über die „Enigma“ freuen, das wohl ikonischste Gerät der Kryptographiegeschichte. Täglich wechselnde und extrem komplexe Verschlüsselungen sorgten dafür, dass sich die Alliierten fast die Zähne daran ausbissen. Am Ende gelang es Ihnen allerdings, was ein entscheidender Auslöser für das Ende des zweiten Weltkrieges war.

Wer auf kleine Gadgets a la James Bond steht: Von BH-Kamera bis hin zu Botschaften hinter Briefmarken und Einmalschussgeräten in Lippenstiften. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Für unsere Kinder – und ehrlicherweise auch mich – ganz besonders spannend: der Laserparcour, in dem Ihr selbst auf Zeit ohne geschnappt zu werden zwischen Laserstrahlen kriechen müsst. Gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, also richtig gut für große als auch kleine Agenten.

Den Abschluss bildete für uns eine Ecke, in der die Kinder ihre eigenen geheimen Botschaften erstellten und mithilfe Geheimtaschenlampen wieder entschlüsseln konnten.

Dieses Museum ist allemal mehr als einen Besuch wert. Wir werden sicherlich wiederkommen.

Die Heckmannhöfe und die Hackeschen Höfe

Die Heckmannhöfe und die Hackeschen Höfe gehören zu den wohl charmantesten Fleckchen in Berlin. Wenngleich sie alles andere als Geheimtipps sind. Dennoch statte ich diesem Ort häufig einen Besuch ab. Und sei es nur als Ausgangspunkt zu anderen netten Orten in Berlin-Mitte, der Museumsinsel oder schönen kleinen Cafés.

Ich mag die trubeligen Hackeschen Höfe mit ihren Boutiquen, Röstereien und den kunstvollen Jugenstilfassaden.

Genau so wie die etwas ruhigeren Heckmannhöfe mit den begrünten Durchgängen, dem Kopfsteinpflaster und der etwas ruhigeren Atmosphäre. Fast ein dörfliches Gefühl entsteht beim Bummel durch diesen Teil Berlins.

Wir haben die Höfe als Verdauungsspaziergang genutzt, nachdem unsere große Tochter sich den Bauch bei Bregg’s mit einem Avocado-Eggdrop-Sandwich vollgeschlagen hat.

Wir haben kurzerhand Dean and David daneben einen leckeren Besuch abgestattet und uns über die gesunde proteinreiche Auswahl gefreut.

Übernachten in Berlin: Premier Inn

Nicht das erste und nicht das letzte Mal haben wir sehr gern die Hotel-Kette „Premier Inn“ besucht und dort unseren Kopf zum Schlafen hingelegt. Hier findet Ihr meine Rezensionen zum Premier Inn in Düsseldorf und Premier Inn in Leipzig.

Wir schätzen sehr die verlässlichen und preisgünstigen Angebote. Es ist eine Kombination aus britischer Gastfreundlichkeit und ganz unkompliziertem Komfort. Also genau das, was wir als Städtetrip-liebende Familie brauchen können.

Häufig bieten die Häuser Familienzimmer ohne Aufpreis und Kinder können auch kostenlos frühstücken, einfach fabelhaft.

Premier Inn steht für schlichte Häuser, die aber genau die Ausstattung haben, die wir brauchen können. Gemütliche Betten, leckeres Frühstück, ein freundliches Haus ohne Schnickschnack. Aber, und das ist ein ein unschlagbares Argument: Fast immer super verkehrsgünstig gelegen.

Wir haben auch hier wieder gleichzeitig einen Parkplatz am Hotel selbst genutzt und konnten dann für den Aufenthalt selbst die sehr nahgelegene Bahnstation Spittelmarkt nutzen. Beste Kombination für Städtetrips, richtig?

Und nicht zu unterschätzen war für uns im Premier Inn Berlin Spittelmarkt auch die Freundlichkeit der Mitarbeiter, die wir jederzeit alles fragen konnten. Vom veränderten Check-In und Check-Out bis hin zur weiteren Zimmerkarte, neuen Kaffeesticks auf dem Zimmer oder kleinen Extra-Wünschen a Frühstücksbuffet. Es sind auch einfach die Kleinigkeiten, die einen Hotelaufenthalt angenehm gestalten.

Von Geschichte über Shopping bis hin zum Schlemmen und einem wunderbaren Urlaubszuhause mit Premier Inn. Wir haben Berlin mit mehr als einem weinenden Auge verlassen und kommen auch als Familie gern wieder.

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