Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet…

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet, sagte Hans-Magnus Enzensberger 1979. Was diese Aussage bedeutet. Und welche Alterativen es zu dieser Zerstörung gibt.

Lesetipps für das Thema “Nachhaltiges Reisen”

Nachhaltiges Reisen: Was ist das eigentlich? Kann ich das?
Nachhaltigkeit auf Reisen: Eine To-Do-Liste!

Der Tourist zerstört auf der Suche nach den abgelegenen Orten

Wir sind doch ständig auf der Suche nach den Geheimtipps. Den abgelegenen Stellen. Den Orten der Einheimischen. Wir können bei anderen damit punkten, “off the beaten tracks” gewesen zu sein. Den noch nicht ausgelatschten Touristenpfaden. Die am wenigsten besuchten Orte der Erde schaffen es nicht ohne Grund in die Medien.

Der Tourist zerstört

Shoppingmeilen für Touristen. Nicht nur in Vietnam.

Zerstörung durch Tourismus: Venedig, Adria & Co.

Es gibt Orte, die leiden tatsächlich unter der Touristenflut. Venedig, beispielsweise. Oder Luzern. Berlin ebenfalls. Und wir durften Anfang 2014 ebenfalls Teil der Zerstörung durch Tourismus sein. In Bibione (Lesetipp: Familieurlaub in Bibione oder Pauschalreise an die italienische Adriaküste). Da bricht ein Verkehrschaos ob der Reisebusarmada aus. Der Zugang zu Sehenswürdigkeiten wie Brücken muss begrenzt werden, weil die Tragfähigkeit nicht gesichert erscheint. Oder gehen wir unter Normalnull: Great Barrier Reef. Rotes Meer. Ich muss nicht mehr sagen, oder?

Steile These: Bewusste Konzentration des Tourismus auf wenige Orte

Trotz allem scheint es mir fast sinnvoll, bewusst die Touristenorte auszuwählen. Ist es nicht fairer, sich als Tourist an Orten zu konzentrieren. Den Rest der Welt unbehelligt lassen? Sollten wir nicht – wenn wir schon nicht anders können als reisen – wenige Orte bevölkern? Diese dann mit Hotels und Sonnenschirmen zubauen und dort unseren Dreck hinterlassen? Und dafür dann den Großteil der Welt in intaktem Gleichgewicht lassen? Ist das naiv? Oder utopisch? Oder realistisch?

Zu Ende gedacht: Schafft das Reisen ab!

Nur was soll Reisen dann überhaupt noch? Wenn ich die Kultur und Natur, nach der ich suchte, nicht finde? Sondern nur meinesgleichen? Ist es nicht logisch und konsequent, Reisen komplett zu vermeiden? Dies vielleicht sogar gesetzlich zu verbieten? Bisher hat Reisen oftmals einen Statusaspekt. Wer viel und weit reist, hat es scheinbar zu etwas gebracht. Kann es sich leisten. Was, wenn wir das Ganze umkehren. Wenn wer reist, einen Makel bekommt. Sozusagen den Stempel des Umweltsünders. Das ist provokativ, zugegeben. Aber nur, wenn ich eine These aufstelle und vielleicht dem eine Antithese gegenüber stelle, kann ich zu einer sinnvolle Synthese kommen.

Alternative zum Massentourismus: Nachhaltiges Reisen

Ja, der Tourist zerstört die Urlaubsregionen. Aber: Ich liebe Reisen! Was, wenn es mich unglücklich macht, dem nicht mehr nachgeben zu können? Was ist die Alternative? Wenn ich über diese Thematik anfange, nachzudenken, kann ich nicht umhin, gleichzeitig auch das Thema “Nachhaltiges Reisen” wieder aufs Tapet zu bringen. Was ist nachhaltiges Reisen eigentlich? Und kann ich das? Oder noch besser. Will ich das, wenn ich weiß, was es bedeuten würde?

Will ich mich in meinen Flugreisen beispielsweise begrenzen, indem ich nur ab einer gewissen Entfernung zum Zielort fliege? Indem ich eine Flugreise nur unternehme, wenn sie ab einer gewissen Reisedauer geschieht? Will ich auf wunderschöne Roadtrips verzichten? Einen ersten Schritt habe ich mit meiner To-Do-Liste zum Nachhaltigen Reisen unternommen.

Wir haben uns ganz aktuell (16.4.2014) dazu entschieden, endlich wieder Fahrräder zu kaufen und unser schönes Baden-Württemberg zu genießen. Tipp: Es radelt sich prima um den Bodensee herum. Auch mit Familie. In zwei bis fünf Tagen hat man je nach Tempo das schwäbische Meer umrundet und eine wunderschöne Zeit gehabt. Versprochen!

5 thoughts on “Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet…”

  1. Hallo, schon alt der Beitrag aber zutreffender denn je! Gerade jetzt, 2019, bietet Streetview eine zu mindest für mich interessante Alternative. ICH war schon an Orten wo ich mein Leben lang nicht hin kommen werde … Aber die Masse kann sich damit leider noch nicht anfreunden. ICH sehe und nehme mehr war wenn ich virtuell unterwegs bin. Gruß (Werde jetzt wieder 1-2h virtuell mit einem Vietnamesischen Zug mit fahren, fantastisch!)

    1. Das ist eine sehr interessante Alternative zum “reelen” Reisen. Auch wir lieben Reisedokumentationen. Auch wenn wir diese eher als Vorbereitung für tatsächliche Reisen nutzen. Für mich entsteht dieses “Reisefeeling” nun leider erst, wenn ich die Orte in der Realtität gesehen habe.

      Herzliche Grüße,
      Christina

  2. Ich habe nach unserer Kanarenreise auch drüber nachgedacht. Wie wäre es, das Reisen selber, das unterwegs sein, zum eigentlichen Ziel zu machen? Also eine längere Zug- oder Autofahrt in Kauf zu nehmen statt morgens in den Flieger rein und mittags wieder raus? Macht die Entfernungen auch wieder erfahrbarer. Aber das war nur ein kurzer Einwurf, der mir kam.

    1. Hallo Melanie, danke für Deinen Kommentar. Das ist interessant, gerade in Bezug auf unsere eigene Kanarenreise habe ich mich auch erkundigt, wie man auf dem Land- und Seeweg das Ziel erreichen könnte. Das ist von Cadiz am spanischen Festland aus in gut zwei Tagen (je nach Insel) machbar. Der Preis liegt auch in etwa beim Flugpreis. Das mit der erfahrbaren Entfernung finde ich schön. Es gibt doch das Sprichwort: “Die Seele kommt zu Fuß hinterher!” Wäre doch schön im “Seelentempo” zu reisen, oder? Herzliche Grüße, Christina

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