Länder sammeln beim Reisen: Zwischen Abenteuerlust und Oberflächlichkeit

Länder sammeln

Reisen ist für viele Menschen mehr als einfach reiner Urlaub und Erholung. Es ist die Möglichkeit, die Welt zu entdecken, sich selbst zu erfahren und Geschichten mitzubringen. Es gibt dabei einen Trend, der sich etabliert hat: Das sogenannte „Länder sammeln“. Manche Reisende führen dabei Buch über jedes neu bereiste Land und vergleichen dies mit anderen. Was spricht für diese Praxis und was dagegen?

Argumente für das Länder sammeln beim Reisen

Motivation und Zielsetzung: Wer Länder sammelt, der hat ganz klar ein Ziel vor Augen. Die Liste wird zum Antrieb, neue Staaten zu entdecken. Und vielleicht auch solche, die man ohne eine derartige Motivation gar nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

Erweiterung des Horizonts

Jede Reise in ein neues Land konfrontiert uns ja mit neuen Sprachen, Lebensweisen und Kulturen. Und so ist das Länder sammeln vielleicht der Antrieb, das Ergebnis (und der vielleicht eigentliche Antrieb) ist dabei aber etwas ganz Anderes. Und zwar Vielfalt und Offenheit.

Symbol für Abenteuer

Für viele ist es ein ganz persönlicher Erfolg, eine gewisse an Ländern bereist zu haben. Die Weltkarte wird mit eigenen Erfahrungen gefüllt, die blinden Flecken auf der Erde werden so eigenen Erlebnissen und Bildern im Kopf. Und das Zählen der Länder selbst ist der Ausdruck von Neugier, Lebenslust und Entdeckergeist.

Gemeinschaft und Austausch

Im Netz und auch offline entsteht ein reger Austausch darüber, in welchen und wie vielen Ländern man bereits war. Das ist ein spielerischer Wettbewerb, der verbindet.

Argumente gegen das Länder sammeln

Quantität über Qualität

Wenn nur noch die Zahl zählt, ist die Gefahr groß, dass der Inhalt zu kurz kommt. Sprich: Selbst ein Aufenthalt auf einem Flughafen bei einen Transit in ein anderes Land könnte „zählen“ und echte Begegnungen und Erfahrungen ausbleiben

Verlust von Tiefe

Länder sind keine Trophäen, sondern komplexe Kulturen. Wer nur reist, um wieder ein Land mehr als „Kerbe im Gürtel“ präsentieren zu können, der bleibt oberflächlich. Tief eintauchen und länger verweilen, wirklich erfahren ist damit außen vor.

Nachhaltigkeit

Wer Länder sammelt, der kommt um Flugreisen nicht drumherum. Das ständige durch die Welt jetten steht im krassen Widerspruch zum nachhaltigen reisen. Wer so reist, muss sich mit dem Vorwurf problematisch zu reisen auseinander setzen.

Vergleichsdruck

Wer so reist und sich dabei mit anderen vergleicht, der kann unter eine Art Leistungsdruck geraten. Wer weniger Länder bereist hat, kann sich somit minderwertig fühlen und das eigentliche Ziel – die Welt entdecken – kann leicht aus dem Blick geraten.

Der Mittelweg

Vielleicht kann die Lösung für diesen Spagat darin liegen, das Ländersammeln nicht als Selbstzweck zu sehen. Es kann eher eine Inspiration sein. Ein Anstoß, neue Orte zu entdecken. Sich immer wieder auch selbst zu überwinden, fremde und vielleicht auf den ersten Blick ungewohnte Länder zu wagen. Wer es dabei schafft, wirklich Reisefreude zu behalten und weiter in Tiefe zu reisen, erweitert weiter seinen Horizont.

Lieber einen Monat in einem Land intensiv verbringen, Kontakt mit Einheimischen suchen. Sich tief darauf vorbereiten, ein wenig mehr in der Landessprache auskennen. Das ist faszinierend. Und sinnvoller, als 5 Grenzübertritte in einer Woche als „Reisen“ zu betrachten.

Reisen bedeutet letztendlich, sich auf Kulturen einzulassen. Auch Gerüche, Geschmäcker, Menschen, Landschaften. Das Länder sammeln kann dabei ein spielerisches Element sein. Das wahre Glück liegt allerdings darin, die Welt nicht zu zählen, sondern sie zu fühlen.

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