Reisephasen des Lebens und wie sie uns prägen

Lebensphasen des Reisens

Reisen beginnen selten mit dem ersten Flugticket. Oft startet es viel früher, vielleicht mit einer Reise zum nächstgelegenen Bauernhofhotel (oder an den Bodensee), Träumereien in Bilderbüchern oder dem Ausflug zu Oma. Wenn wir unsere Reisegeschichte im Rückblick betrachten (und das geht ja auch schon im mittleren Alter), erkennen wir manchmal einen roten Faden und sehen die Geschichte unseres Erwachsenwerdens und Älter werdens. Bitte beachtet, dass diese Phasen je nach Mensche ganz unterschiedlich ablaufen können. Manche werden übersprungen, manche aufgrund von Familienphasen oder Berufsfindung vertauscht.

Phase 1: Die ersten Schritte in die große weite Welt

In der Jugend sind Reisen vor allem Entdeckungsreisen. Alles ist neu, aufregend, grenzenlos. Man schläft in Hostels, isst, was gerade möglichst günstig ist, und lässt sich einfach treiben. Es geht weniger um Komfort und Luxus als um Freiheit. In dieser Phase seid Ihr spontan und mutig und stellt fest, dass die Welt um einiges größer ist, als Ihr Euch vorgestellt habt. Erinnert auch Ihr Euch auch noch mit einem warmen Gefühl im Bauch an diese Zeit mit Rucksack auf dem Rücken und einem Zugticket fürs Interrail in der Hand?

Phase 2: Reisen, um sich selbst zu finden

In den Zwanzigern und frühen Dreißigern wird das Reisen oft zu einem Spiegel und einer Selbsterfahrung. Wer bin ich? Was sind meine Werte? Was suche ich eigentlich im Leben? Diese Phase ist gekennzeichnet von der Lust, sich selbst zu entdecken und auch zu definieren als Persönlichkeit. Ich weiß noch genau, wo bei mir das Reisevirus seinen Ursprung hatte. Sabbaticals, Work and Travel, Weltreisen, Backpacking durch Asien (Was wir durch Laos, Kambodscha und Vietnam als Elternzeitreisen ausgelebt haben). Das ist der Vibe, richtig? Experimente, die ein oder andere grenzwertige Erfahrung, jede erfahrene neue Religion, Geschmäcker, Begegnungen und Kulturen formen unser Bewusstsein.

Phase 3: Komfort, Genuss und bewusste Entscheidungen

Manche von uns bleiben im Abenteuermodus und kosten das bis ins hohe Alter aus. Bei anderen und zunehmender Lebenserfahrung verändert sich der Blick auf das Reisen. Plötzlich wird ein gutes Hotelzimmer wichtiger als das billigste Dorm im Hostel. Man reist nicht mehr, um möglichst viel zu sehen („Been there, done that“), sondern um das Richtige zu erleben. Genuss rückt oftmals in den Vordergrund: gutes Essen, besondere Unterkünfte, Wellness, Kultur. Nicht mehr das Abhaken einer Bucketlist in möglichst kurzer Zeit. Diese Phase ist weniger rastlos und ruhelos. Man weiß, was man mag – und was auch nicht mag. Reisen hat auch ein wenig etwas von Selfcare.

Phase 4: Reisen im Familienrhythmus

Hier komm ich auf einen der Eingangssätze zurück. Es könnte sein, dass beispielsweise Phase 3 und 4 sich bei Euch vertauschen. Oder dass Ihr von Phase 2 direkt in die 4 hüpft. Und emotional einfach auch in 2 bliebt. Nur eben mit Eurem Nachwuchs. Das hängt ein wenig von Eurer Persönlichkeit, der Art des Reisens und vielleicht auch vom Alter ab. Wer mit Kindern reist, erlebt die Welt auf jeden Fall noch einmal neu, soviel sei sicher. Plötzlich zählen andere Dinge: Sicherheit, kinderfreundliche Orte, Routinen. Beispielsweise bei der Babynahrung in Italien oder Vietnam oder Österreich. Gleichzeitig öffnen sich Türen, die man allein nie entdeckt hätte. Ihr erlebt Bauernhöfe, Zoos und Spielplätze wie daheim. Nur eben an fremden Orten. Und taucht damit noch einmal mehr in die Kultur ein. Viel mehr, als Ihr es in den 20ern erwartet hättet. Und vor allem knüpft Ihr ganz schnell Kontakte zu Einheimischen, Kinder sind einfach Türöffner. Ihr reist vielleicht langsamer, auch auch reich und emotional. Und stellt vielleicht wie wir fest, dass Wandern auch mit Baby machbar ist. Oder kostet die Familienhotelphase voll aus.

Tipps für Reisen mit Baby

Phase 5: Reisen mit Ruhe und Tiefe

Von dieser Phase kann ich noch nicht aus eigener Erfahrung berichten, aber ich habe so meine Vorstellung davon. Denn ein wenig schaut sie mit größer werdenden Töchtern schon um die Ecke. Und unsere kurzen Reisen zu zweit beispielsweise zum Wandern und Wellness nach Garmisch-Patenkirchen oder auch nach Andorra haben mir eine kleine Vorausschau gegeben. Die Reisen werden gelassener, bewusster mit noch genauerem Blick für die Orte. Man möchte die Reiseziele mehr verstehen, hinter die Fassaden blicken. Mehr von Historie und Kultur erfahren und steigt hier auch eventuell noch mehr theoretisch ein. Oftmals kehrt man an bekannte Orte zurück und möchte diese mit anderen Augen entdecken. Und ist einfach dankbar für die Erlebnisse und Geschichten, die man bis hierher sammeln durfte.

Reisen verändert sich, weil wir uns verändern. Und jede Phase hat ihren eigenen Zauber, den man manchmal erst im Nachgang so richtig versteht. Das Schöne ist, die nächste Reise wartet schon hinter der nächsten Ecke.

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