Ein Roadtrip mit Baby klingt für viele nach einer Mischung aus Fernweh und Furcht: Wird das nicht stressig? Was, wenn das Baby ununterbrochen weint? Und wie soll man all das Gepäck unterbringen? Ich will Euch nicht anlügen. Unsere Reise um die Ostsee mit gerade einmal 1-jährigem Reisemäuschen war ganz schön heftig. Viel weinen, wenig (gar keine!) Paarzeit und kräftezehrend. Dennoch würde ich es niemals missen, diese Erfahrung gemacht zu haben. Warum, das erzähle ich Euch im heutigen Blogartikel.
Denn die gute Nachricht ist: Reisen auf vier Rädern kann mit einem kleinen Menschen an Bord (auch) überraschend leicht, flexibel und sogar richtig schön sein. Es ist ein anderes Reisen, ja – aber eines, das euch als Familie zusammenschweißt und Momente schenkt, die ihr so nur jetzt erlebt.
Die neue Art des Unterwegsseins
Mit Baby verändert sich der Rhythmus und genau das macht einen Roadtrip so passend. Ihr seid nicht an Check-in-Zeiten gebunden, könnt Pausen einlegen, wann immer ihr möchtet, und habt euer kleines Nest immer dabei. Das Auto wird zur mobilen Schaltzentrale: Wickelstation, Stillplatz, Rückzugsort, alles ist immer möglich und Ihr habt bereits die Infrastruktur dabei. Gleichzeitig entdeckt Ihr vielleicht Landschaften, die ihr früher einfach vorbeiziehen lassen habt. Wir erkundeten so wilde estnische Wälder fernab der Standardstrecken und hielten an den schönsten Wanderwegen in Schweden, Italien oder auch Lettland an, die wir mit Knirp in der Kraxe neugierig erkunden konnten.
Planung ohne Perfektionismus ist King
Natürlich hilft Vorbereitung bei der Planung eines Roadtrips mit Baby. Aber Perfektion ist echt nicht nötig. Eine grobe Route reicht völlig – lieber mit Luft nach oben für spontane Stopps. Das Baby wird Euch Eure Planung ohnehin verhageln ;-) und wenn wir von vorneherein flexibel seid, sinkt die Laune dann auch nicht, wenn der sorgsam ausgearbeitete Plan nicht funktioniert.
Plant Etappen am besten auch so, dass sie zu den Wach- und Schlafphasen eures Babys passen. Oder richtet die Etappen zumindest so ein, dass Ihr viel Puffer habt und jederzeit einen Stop einlegen könnt. Viele Eltern schwören auf das Fahren während der üblichen Mittagsschlafzeit. Andere genießen kurze, häufige Etappen, um unterwegs viel zu entdecken. Wir sind mit unserer Kleinen damals immer mit dem ersten Vormittagsschlaf gestartet und haben dann im Auto einen zweiten Kaffee zu zweit genossen. Also da zumindest doch ein klein wenig Paarzeit. Nicht ganz so wie auf dem Kanada-Roadtrip im letzten Jahr ohne Nachwuchs, aber als Eltern ist man recht schnell genügsam, wenn das Kleine da ist.
Packen mit Tetris-System und Gelassenheit
Ja, man braucht einiges. Vieles. Irgendwie alles. Und alles auch gefühlt nur fürs Kleine. Aber vieles davon habt ihr ohnehin im Alltag parat und könnt es dann genau so wie es immer benötigt wird, ins Auto verfrachten. Eine gut sortierte Wickeltasche, ein paar Lieblingsspielzeuge, Wechselkleidung, Snacks für euch, Wasser, eine leichte Decke. Fürs Auto lohnt sich ein Organizer, damit alles griffbereit ist. Wir haben den gern gepackt mit Pappbüchern, Schnuller, Flasche, Wickeltüchern, kleinen Spielzeugen, Reiswaffeln…Und: Packt nicht für jedes noch so hypothetische Szenario. Ihr werdet unterwegs feststellen, dass ihr weniger braucht, als ihr denkt. Und außerdem fahrt Ihr vermutlich nicht in den hinterletzten afrikanischen Busch. Selbst in Vietnam, Laos, Kambodscha fanden wir immer einen Laden, der das benötigte vorrätig hatte – außer Babynahrung. Da genau vorausplanen ist sinnvoll.
Pausen als kleine Abenteuer
Mit Baby sind Pausen nicht nur notwendig, sondern oft die schönsten Momente. Und das ist auch später mit großen Kindern so. Unser Teenie-Girl hat so schon in Asien spannende Convinience-Stores ausfindig gemacht. Bei den Kleinen ist es dann eher ein schattiger Picknickplatz, ein kurzer Spaziergang mit Plantschen am See, ein Kaffee mit Kindercappuchino im Dorf, das ihr sonst nie entdeckt hättet. Ihr werdet überrascht sein, wie sehr euch diese kleinen Zwischenstopps entschleunigen.
Schlafen unterwegs
Viele Babys schlafen im Auto wunderbar. Andere brauchen etwas Zeit, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Und andere werden es wohl nie mögen. Das sind die einzigen Kleinen, bei denen ich Euch von einem Roadtrip mit Baby abraten würde. Aber wenn es einfach nur um eine kleine Gewöhnung geht, dann nehmt zum beispiel etwas Vertrautes von daheim mit. Unsere Mädels haben es immer geliebt, sich unterwegs im Kindersitz in einen Schal von mir einzuwickeln. Und mögen es immer noch.
Der friedliche Schlaf auf 4 Rädern sollte natürlich in einem unfallfreien und TÜV-geprüften Autositz stattfinden. Nichts auf einem Roadtrip so wichtig wie Kindersitze für sichere Autofahrten. Da geht es noch nicht einmal um einen tatsächlichen Unfall, sondern bereits um heftige notwendige Bremsmanöver auf fremden Straßen. Am besten Ihr verschafft Euch auf seriösen Seiten einen Überblick über die aktuellsten Kindersitztests.
Ihr wisst nicht, welcher Kindersitz für die Größe, das Alter, das Gewicht Eures Kindes vorgeschrieben ist? Die Straßenverkehrsordnung gibt Euch den genauen Gesetzesrahmen vor.
Wählt zum Schlafen im Urlaubszuhause Unterkünfte, die euch Raum geben. Ferienwohnungen oder kleine Hotels mit Familienfokus sind richtig praktisch. Wir haben auch beispielsweise in Italien und Frankfurt Hotelapartments mit Kitchenette, aber gleichzeitig dem Luxus von Hotelfrühstück zu schätzen gewusst.
Erwartungen runter, Erlebnisse rauf
Der wichtigste Tipp von allen: Nehmt den Druck raus. Ein Roadtrip mit Baby ist kein Rennen, kein „Wir müssen alles sehen“. Dieser Anspruch wird Euch nur frustrieren. Es ist ein gemeinsames Unterwegssein, ein sanftes Abenteuer. Trauert nicht vergangenen Partyurlauben oder romantischen Pärchen-Wellnesstrips hinterher. Das tut erstens nur weh und zweitens kommt auch das wieder, eben zu einem späteren Zeitpunkt. Ihr werdet auf einem Roadtrip mit Baby lachen, improvisieren, vielleicht mal fluchen – und am Ende mit Geschichten heimkommen, die ihr noch lange weitererzählt.
Denn Reisen mit Baby ist nicht weniger schön. Es ist anders schön. Und genau darin liegt der Zauber. Das sagen wir Euch aus Erfahrung (und freuen uns darüber, wie es jetzt ist mit größeren Kindern zu reisen)
Haben wir Euch überzeugt? Seid Ihr eher Team Roadtrip? Flugreise? Zugreise? Jede Reiseart hat Vor- und Nachteile.

