Sachsen-Anhalt nach der Wahl: Warum Reisen gerade jetzt ein Statement ist

Reisen Sachsen Anhalt

Die jüngsten Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt (und danach auch in Mecklenburg-Vorpommern) haben eine bundesweite Diskussion ausgelöst. Einige Stimmen behaupten, man solle „da jetzt nicht mehr hinreisen sollte“, weil die AFD hier mit Abstand die Mehrheit erhalten hatte. Doch diese Haltung greift einfach zu kurz und verkennt, was Reisen bedeutet. Was es bewirkt.

Reisen ist nicht nur einfach ein tolles Freizeiterlebnis. Es hat ganz viel zu tun mit Verantwortung, Beziehung und auch Austausch. Und gerade jetzt zeigt sich auch, wie wichtig es ist, Orte nicht schlicht auf die Wahlergebnisse zu reduzieren.

Ein Bundesland ist mehr als sein Wahlzettel

Sachsen-Anhalt ist vielfältig, zumindest weiß ich das aus der Theorie. Schließlich taucht dieses Bundesland so gut wie gar nicht auf meinem Blog auf. Brandenburg mit seinen tollen Seenlandschaften habe ich eine Plattform gegeben. Ebenso Potsdam. Auch Mecklenburg-Vorpommern haben wir lieben gelernt. Dresden. Und auch Leipzig. Aber irgendwie war Sachsen-Anhalt nie auf unserer Reisewunschliste. Aber ich weiß, dass Quedlinburg, der Harz, Dessau, die Elbtalauen und viele andere Ecken ganz sicher eine Reise wert sind.

Die Wahlergebnisse spiegeln gesellschaftliche Sorgen, Strömungen, Stimmungen wieder. Aber sie sagen nichts darüber aus, wie gastfreundlich die Menschen selbst sind. Oder wie wertvoll die Kultur dort ist, wie lebendig Städte.

Eine Reiseziel zu meiden, weil man mit der poltischen Entwicklung ringt und daran fast verzweifelt. Das ist ja absolut verständlich. Es ist eine erste Reaktion, allein aufgrund der eigenen Ohnmächtigkeit dem Wahlergebnis gegenüber. Aber es blendet die Menschen aus, die sich jeden Tag für Offenheit und das gute Miteinander in der Gesellschaft dort einsetzen. Und wir wissen ja auch, dass unter anderem die wirtschaftliche Situation den Zulauf zur AFD befeuert hat.

Wenn wir jetzt dieses Bundesland „bestrafen“ durch Reiseboykott, beschleunigen wir dies nicht nur, wir fördern auch die Spaltung zwischen uns und den Menschen dort. Welchen Sinn hat das?

Tourismus als Brückenbauen statt Boykott

Manche argumentieren, dass Boykott ein politisches Zeichen wäre. Doch das Ganze ist viel komplexer. Wer Geld ins Land bringt, fördert den Erhalt kulturelles Stätten, schafft Begegnungen, stabilisiert die Wirtschaft, bringt Diversität in die Gesellschaft.

Und wen bestraft ein Boykott ganz konkret? Kleine Hotels, Gaststätten, Museen, Familienbetriebe. Hier kann (kann!) sich dann eine Spirale verstärken und auch diejenigen radikalisieren, die dann hier ihre Arbeit eingeschränkt sehen oder diese ganz aufgeben müssen.

Reisen als demokratischer Akt

Die logische Schlussfolgerung meiner Überlegungen für mich persönlich kann jetzt nur eine sein. Reisen, in Kontakt treten, Verstehen wollen, Interesse zeigen. Und ganz klar NICHT Zustimmung zeigen.

Die Frage ist also nicht: „Soll man da noch hinfahren?“ sondern „Wie kann ich meine Reise gestalten?“

Die Frage ist also: Wie reisen wir jetzt in Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung, der Radikalisierung?

Zunächst mal mit Respekt, Interesse und Offenheit. Mit der Bereitschaft, diese ganze Komplexität auszuhalten und nicht selbst gleich auf Krawall zu gehen.

Sachsen-Anhalt ist ja keine insgesamte Einheitssuppe. Dieses Bundesland ist ganz sicher genau so bunt wie alle anderen Regionen. Es gibt regionale Initiativen für Vielfalt. Kultur, die ganz unabhängig von Parteipolitik existiert.

Lasst uns die Geschichte dort entdecken, Menschen, die ihre Heimat gestalten. Natur, die wunderschön ist.

Wer jetzt auf Reisen Sachsen-Anhalt entdeckt, zeigt, dass er Orte nicht auf Schlagzeilen reduziert. Dass er oder sie bereit ist, genau hinzusehen. Und an die Kraft von Begegnung und Veränderung glaubt.

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