Wandern in Andorra: Ein Reisebericht aus den Pyrenäen

Andorra ist eines der Länder, das man auf der Landkarte ganz leicht übersehen kann. Es wirkt wie eingeklemmt zwischen Frankreich und Spanien hoch oben in den Pyrenäen. Aber wer sich die Mühe macht und die steilen sich windenden Serpentinen hinauffährt, wird merken, dass sich der ganze Aufwand lohnt. Man besucht diesen Zwergstaat nicht und hakt ihn ab. Man erlebt die Seele des Landes und das bleibt in der Erninnerung bestehen.

Andorra: Ein Land, das man leicht übersieht

Andorra ist eines der kleinlsten Länder Europas, seit 1278 ein gemeinsames Fürstentum unter dem Präsidenten Frankreichs und dem Bischoff von Urgell. Die Geschichte des Landes ist geprägt von seiner Abgeschiedenheit in den Pyrenäen, die es über einen sehr langen Zeitraum vor Angriffen von außen schützte. Andorra war lange geprägt von Landwirtschaft, entwickelte sich aber seit dem 20. Jahrhundert zu einem modernen Staat zwischen Steuerparadies, Wandertourismus und Skisporttourismus.

Wir haben einige Tage in der auf 1000 Metern Höhe liegenden Hauptstadt Andorra la Vella verbracht. Dies ist die einzig wirklich größere Stadt des Landes mit nicht einmal 25.000 Bewohnern. Kein Wunder, bei insgesamt gerade einmal 87.000 Einwohnern auf 468 Quadratkilometern.

Wir sind durch die Straßen der teilweise recht mondän wirkenden Stadt flaniert, haben Dalis fließende Uhren bewundert. Den sprudelnden Fluss Gran Valira begleitet. Haben von Frankreich bis Spanien einmal das gesamte Land auf der einzig wirklichen Hauptstraße durchquert. Und wir sind natürlich viel gewandert.

Zwei Touren haben uns dabei besonders geprägt:

Der Roc de la Cauba mit seinen farbigen Felsen als Aussichtsbalkon über dem Ort La Massana

Der Pic de Casamanya als einen der schönsten Gipfel des Landes und Ruf als magischer Berg

Andorra la Vella: Hauptstadt Andorras zwischen Felsen und Fluss

Andorra la Vella ist keine Stadt, die sich geschmeidig und romantisch in ein Tal schmiegt. Sie wirkt, als würde sich sich den Platz zwischen den schroffen Felsen erkämpfen müssen.

Uns gefällt diese Mischung aus modernen Glasfassaden und traditionellen Steinhäusern, zwischen schmalen Gassen und schicken Einkaufsstraßen. Trotz allem wirtschaftlichen Aufschwung hat die Stadt an vielen Stellen ihren ursprünglichen Charme behalten und wir hoffen, dass das nach wie vor so bleibt.

Mitten drin rauscht der Gran Valira und zieht sich wie ein wild sprudelndes silbernes Band durch die Minimetropole. Zumindest war das bei unserem Besuch im August der Fall.

Die Dali-Uhren: Das Symbol des Surrealismus mitten in den Pyrenäen

Dali Skulptur der schmelzenden Uhren in Andorra la Vella

Etwas, das man nicht erwartet und das doch jeder Besucher der Hauptstadt Andorras als erstes kennt: Die berühmten Daliuhren. Sie schmelzen mitten in der Stadt in beeindruckender Größe direkt über dem Gran Valira hinab.

Die Skulptur ist ein Magnet. Die Menschen machen dort stehen, stellen sich für Selfies an, staunen, fotografieren.

Die Uhren passen auf eine gewisse Art und Weise sehr gut zu Andorra la Vella. Diese Stadt selbst ist doch irgendwie surreal.

Warum Einkaufen in Andorra so günstig ist

Ihr habt vielleicht von Andorra als Steuerparadies gehört. Aber was ist da eigentlich der Hintergrund? Im Gegensatz vor allem zu den Nachbarländern Spanien und Frankreich hat Andorra eine unglaublich niedrige Mehrwertsteuer von 4,5 Prozent. Das ist die niedrigste Mehrwertsteuer sogar in ganz Europa.

Andorra la Vella Innenstadt mit Bergen im Hintergrund

Dazu ist das Land nicht Mitglied in der EU, deshalb entfallen sonstige Zölle und Verbrauchssteuern, die bei uns anfallen.

Parfüm und Kosmetika sind dadurch 20 bis 30 Prozent günstiger. Elektronik und Uhren 15 bis 25 Prozent. Alkohol und Tabak sind teilweise um unglaubliche 50 Prozent günstiger, ob das jetzt in diesem Fall gut ist, dürft Ihr selbst entscheiden. Auch Benzin und Diesel sind wesentlich günstiger. Welche Blüten das treibt, kann man vor Ort live erleben, wenn man entlang der Hauptstraße Tankstelle an Tankstelle aufgereiht wie auf einer Perlenkette erblickt.

Hinweis: Wenn Ihr Euch hier Eurem Shoppingwahn hingebt, beachtet auf jeden Fall die Freimengen beim Zoll.

Wanderung zum Roc de la Cauba: Der berühmte Balkon von Andorra

Unser erster Wandertipp führt Euch zum Roc de la Cauba, der sich als Aussichtspunkt wie ein natürlicher Balkon über Andorra erhebt. Von hier oben habt Ihr vor allem einen fantastischen Blick über den Ort La Massana, der sich übrigens auch für einen kleinen Abstecher eignen.

Der Weg ist typisch für Andorra, steinig, steil und abwechslungsreich. Am Anfang wandert ihr noch durch lichten Nadelwald, den ihr dann verlasst und auf immer steinigeren Wegen emporkraxelt.

Kraxeln inklusive

Kraxeln ist das Stichwort vor allem an einer Stelle kurz vorm Grat. Dort habt Ihr zunächst die Herausforderung, Euch an einem Seil eine nahezu senkrechte Stelle hinauf zu ziehen. Das macht richtig Spaß und fordert Muskelkraft.

Farbiges Sandsteinplateau am Roc de la Cauba in Andorra

Kurz darauf überwindet Ihr eine seilversicherte Stelle. Klettersteigset ist nicht notwendig, allerdings auf jeden Fall ein wenig Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Mein Herz klopfte ganz schön beim Blick in die Tiefe hinter mir.

Seilversicherte Passage auf dem Weg zum Roc de la Cauba

Der farbige Felsen

Gipfelblick vom Pic de Casamanya über die Pyrenäen

Danach folgt ein unglaublich schöner sich durch Nadelwald windender Gratweg bis zum eigentlich Felsen, der den Zielpunkt bildet.

Und dieser ist auch etwas ganz Besonderes inmitten vieler Granitberge der Umgebung. Es handelt hier nämlich um farbigen Sandstein.

Wanderweg zum Roc de la Cauba mit Blick auf La Massana

Wer ganz mutig ist, klettert hier nich etwas herum. Warnung: Nichts ist abgesicht und Absturz bei Übermut tatsächlich ein Risiko. Der Blick in die Weite ist ein umso fantastischeres Erlebnis.

Das Bergpanorama ist überwältigend am Horizont, der weite Blick über Felsen, Wälder und Orte in der Tiefe beeindruckend.

Auf dem gleichen Weg geht es den Weg wieder hinab. Insgesamt könnt Ihr mit einer Wegzeit von etwa 2,5 Stunden rechnen, die Ihr am besten am Morgen oder Abend erlebt. An vielen Stellen kann die Sonne ganz schön auf den Fels und Euch hinunterbrutzeln.

Rundwanderung zum Pic de Casamanya: Auf dem magischen Berg Andorras

Der Pic de Casamanya ist einer der bekanntesten Berge Andorras und auch einer der schönsten. Die Rundwanderung, die wir gewählt haben, ist zwar anspruchsvoll, aber auch wirklich lohnend.

Der Weg beginnt ganz sanft beim Mirador Roc des Quer. Ihr wandert durch das Vall de Montaup bequem am linken Talhang erst recht flach, dann immer steiler werdend hinauf.

Murmeltiermomente

Vielleicht begegnet auch ihr leise pfeifenden Murmeltieren? Am Tag unserer Wanderung waren wir die einzigen Wanderer auf diesem Weg und konnten das faszinierende Schauspiel in Ruhe mit viel zeit genießen.

Je höher Ihr steigt, um so windiger wird es. Und umso mehr zeigt der Berg seine wilde Natur. es wird schroffer, die romantischen Wiesen lassen felsigem Untergrund Platz und es wird ganz schön luftig mit viel Aussicht.

Oberhalb des weitläufigen Coll d’Arenes wird es dann richtig kraxelig. Ihr habt von hier ein fabelhaftes Panorama auf die Rückseite des Berges und über Euch steigt der seilversicherte Steig steil empor. Hier ist Eure Aufmerksamkeit gefordert und die Schritte sollten sitzen.

Wenn Ihr das Hochplateau erreicht habt, entdeckt Ihr interessante sägezahnartige Gesteinsformationen, an denen wir uns kaum sattsehen konnten.

Sägezahnartige Felsformationen am Casamanya Hochplateau

Als etwas niedrigeren Gipfel erreicht Ihr bald den Casamanya Nord und dann den Hauptgipfel Pic de Casamanya.

Blick vom Pic de Casamanya

Den Rückweg Richtung Mirador Roc del Quer tretet Ihr auf dem Bergrücken an, der sich an manchen Stellen steiler als vermutet zeigt.

Abendessen im traditionellen Steinhaus: Verdiente Einkehr nach langem Wandertag

Traditionelles Steinhaus Restaurant in Andorra

Dicke Mauern, Holzbalken, gedämpftes Licht. So heimelig ist es, nach einem langen Wandertag in Andorra in den Beinen sich in ein einem traditionellen Steinhaus der Pyrenäen niederzulassen und einfach nur zu genießen.

Die Landesküche ist bodenständig, Fleisch, deftig, herzhaft und eng mit den Bergen verbunden. Für uns teilweise zu schwer, aber das ist Ansichtssache. Also haben wir in traditioneller Atmosphäre etwas leichteres genossen.

Was bleibt nach einigen Tagen in Andorra?

Für uns bleibt, dass Andorra sehr unterschiedliche Gesichter hat. Auf der einen Seite die wirtschaftliche Kraft, der Konsum und die Shoppingmeilen der Hauptstadt.

Gipfelblick vom Pic de Casamanya über die Pyrenäen

Auf der anderen Seite das sehr ursprüngliche Land mit seinen unendlichen Bergketten, wilden Tälern, Granitfelsen und tief verwurzelter Tradition. Die Touristen sind entsprechend ebenfalls sehr unterschiedlich.

Wir haben einiges an Gipfeln übrig gelassen für eine weitere Reise, die definitiv ansteht in diesen Zwerstaat mitten in den Pyrenäen.

Buchtipp: Rother – Katalanische Pyrenäen und Andorra

Der Wanderführer von Rother hat uns mit dem bewährten System auch hier wieder vollends überzeugt. Wir kommen unglaublich gut klar mit dem kompakten und übersichtlichen Werk, das zunächst auf einer Karte alle Routen lokal einordnet. Dies mit der gewohnter gewohnten Farbskala von blau (leicht) über rot (mittschwer) bis schwarz (anspruchsvoll).

Die jeweiligen Routen sind präzise beschrieben mit sehr gut passenden Zeitangaben, einem Höhenprofil, dem entsprechenden Kartenausschnitt und informativen Beschreibungen.

Gut auch: Es wird immer angegeben, ob und wo ein Einkehr möglich ist. Besonders hilfreich bei längeren Strecken.

Auch die schönen atmosphärischen Fotographien machen Lust auf die Touren und geben einen Eindruck von dem Charakter der Strecke.

Die 64 ausgewählten Wanderungen und Bergtouren in den katalanischen Pyrenäen und Vorpyrenäen in Andorra und dem angrenzenden Aragón kann man sich per GPS-Track von der Seite downloaden und hat so während der Wanderung die Strecke nicht nur auf Papier sondern auch im Handy immer griffbereit.

Ihr erhaltet den Wanderführer für 16,90€ direkt über den Verlag Rother oder über die bekannten Portale.

Ihr habt Freude an unseren Reiseartikeln mit Tipps zum Nachreisen? Dann sind vielleicht diese Artikel auch ewtas für Euch:

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