Wie Reisen unsere Wahrnehmung von Nähe, Selbstbild und Beziehungen verändert

*Werbung* Reisen gilt oft als Erweiterung des Horizonts. Hört sich das abgegriffen an? Es besitzt aber dennoch tatsächlich einen wahren Kern. Wenn Ihr darüber nachdenkt, stimmt das auf ganz vielen verschiedenen Ebenen. Unterwegs verändert sich der Blick auf ganz vieles. Zum Beispiel betrifft das Landschaften, aber auch Kulturen und Gewohnheiten anderer Menschen in dem fremden Ländern. Subtil betrifft das aber auch Euch selbst. Und zwar Eure Vorstellungen von Nähe, Identität und Beziehungen. Viel unauffälliger im Hintergrund, langsamer in der Veränderung und gleichzeitig wirken diese Veränderungen aber langfristig erstaunlich stark und tief verankernd. Lasst uns mal zusammen anschauen, welche Ebenen hier existieren in diesem Zusammenhang. Die Psycho-Reisemeisterei ist wieder am Start, merkt Ihr, oder? ;-)

Nähe als flexible Kategorie: Was ist schon nah und fern?

Im Alltag definieren wir Nähe häufig über räumliche Distanz: Wer mit Euch in der gleichen Stadt lebt, ist „nah“, wer weit entfernt wohnt, „fern“. Richtig? Aber beim Reisen stimmt diese Logik dann doch nicht mehr so ganz. Lasst mich erklären, wie ich das meine.

Wenn man mit jemandem virtuell verbunden ist, erscheinen plötzlich tausende Kilometer nicht mehr wie eine unüberwindbare Barriere. Ich erinnere mich gut, als ich nach der ersten Wahl von Donald Trump auf Social Media mit einer mexikanischen Frau in den USA ein schriftliches Gespräch führte und ihr Mut zusprach. Sie war völlig verängstigt, was kommen mag für sie als Einwanderin.

Und auch wenn man mal weit gereist ist, kann die Strecke einer Fernreise, die man mit einem Flug oder einer Zugverbindung überbrücken kann, gar nicht mehr so unüberwindbar wirken. Gleichzeitig kann jemand, der physisch neben uns sitzt, emotional weit weg wirken, wenn wir uns in einer schwierigen Lage mit ihm oder ihr befinden. Oder wenn wir in der Ferne neben jemandem sitzen, der so ganz anders lebt und in dessen Nähe wir erst einmal den Kulturschock überwinden müssen.

Was heißt das jetzt? Wenn Ihr einmal diese Erfahrung gemacht habt, dass Nähe weniger an die Geografie gebunden ist und mehr an die Qualität der Verbindung, dann verändert sich Euer Weltbild nachhaltig.

Nähe hat dann mehr mit gleichen Überzeugungen, egal ob es politisch oder von den Werten allgemein her der Fall ist, zu tun. Viele Reisende berichten, dass sie unterwegs intensivere Gespräche mit Menschen führen, die sie erst seit Stunden kennen, als mit Bekannten zu Hause. Die temporäre Gemeinschaft schafft eine Form von situativer Nähe, die im Alltag selten entsteht. Ganz häufig ist das der Fall in der klassischen Backpacking-Zeit in den frühen Zwanzigern.

Natürlich ist es auch leichter, sich jemandem anzuvertrauen, den man vielleicht niemals wieder sieht. Aber wie gut kann das tun, Worte auszusprechen, die zuhause schwer über die Lippen kommen, weil es eben auch „zu nah“ sein kann. Habt Ihr diese Erfahrung auch bereits einmal gemacht?

Selbstbild im Wandel: Wer bin ich und wie will ich sein?

Reisen konfrontiert uns mit unseren ganz selbstverständlichen Rollen, die wir im Alltag kaum hinterfragen. Zu Hause seid Ihr vielleicht Kollegin, Partner, Elternteil, Nachbarin und noch viel mehr. Unterwegs fallen diese Zuschreibungen teilweise einfach weg, gerade wenn Ihr allein reist. Ihr seid einfach Ihr. Ihr beobachtet, lernt und seid ein Mensch, der sich ganz neu orientiert in fremder, spannender Umgebung.

Dieses völlige Losgelöstsein von Rollen kann Euch ganz neuen Raum für Reflexion über Euch selbst und Euer Leben eröffnen: Was an Eurem Selbstbild ist stabil und auch noch auf der anderen Seite des Erdballs zu Euch gehörig und pur Ihr. Was auf der anderen Seite ist nur eine Gewohnheit und was wollt Ihr eigentlich seit langer Zeit ablegen?

Extrem sichtbar wird dieser Unterscheid in Umgebungen, die wirklich sehr anders sind. Einfach ein ganz anderer Kulturraum wie Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha, Kuba oder Nepal. Diese brechen unsere Routinen auf, die Sprache ist unbekannt, die ganzen Verhaltensweisen, das Essen, das Straßenbild. Dabei entsteht dann eine Mischung aus Unsicherheit und Freiheit.

Nach einem ersten Schock werdet Ihr vielleicht anfangen, neugierig zu improvisieren. Zu lernen, wie man mit Händen und Füßen und wenigen gelernten Wörtern kommuniziert. Ihr nehmt Euch auch ganz anders wahr. Das wirkt Stück für Stück nach. Vielleicht merkt Ihr es selbst nicht einmal, sondern nur Menschen, zu denen Ihr nach der Reise zurück kehrt.

Vor allem aber hat es einen ganz fabelhaften Effekt, den Ihr auch im Alltag nutzen könnt. Diese Erfahrung stärkt Euer Gefühl, dass Ihr auch in ganz ungewohnten Situationen zurecht kommt und ganz und gar nicht handlungsunfähig seid. Das könnt Ihr dann sowohl auf Reisen als auch daheim nutzen. Vielleicht fliegt Ihr sogar mal schwanger, das ist nochmal eine ganz andere Erfahrung.

Beziehungen unter veränderten Bedingungen

Reisen beeinflusst auch, wie wir Beziehungen gestalten. Alltag leben und gemeinsame Reisen erleben, das ist ein ganz großer Unterschied. So können diese Unterwegszeiten einerseits Partnerschaften stärken, a la gemeinsam sind wir stark und Erinnerungen schaffen. Wir brechen vielleicht auch eingespielte Muster auf. Das tut gut und macht sichtbar, was die Gemeinsamkeiten sind.

Gleichzeitig können die Reisen Konflikte sichtbarer machen, die im Alltag überdeckt werden. Denn Reisen ist ja ganz schön nah, es fehlen Euch Rückzugsmöglichkeiten. Dazu müsst Ihr dauernd gemeinsam Entscheidungen treffen, mehr als im Alltag. Das wirkt dann wie ein Brennglas auf die Situation. Gerade bei Reisen mit anderen Familien ist das auch so ein Ding. Manche sind deshalb gegen Reisen mit anderen Familien. Andere wiederum sind absolute Fans davon und es gibt ja auch gute Gründe für Reisen mit anderen Familien. Und andere stellen dann fest: Niemals ohne die Familie reisen.

Alleinreisen so ganz ohne Familie oder PartnerIn wiederum schärft das Bewusstsein für sich selbst und die eigenen Entscheidungen und Wünsche und in die Eigenständigkeit. Viele Menschen merken erst unterwegs, wie gut sie eigentlich mit Herausforderungen allein zurechtkommen. Das kann das Selbstvertrauen stärken und gleichzeitig die Erwartungen an Beziehungen verändern. Wer weiß, dass er oder sie allein auch ganz gut zurechtkommt, lässt sich im Alltag nur dann auf Beziehungen ein, wenn diese wirklich einen Mehrwert fürs eigene Leben bieten. Nicht bloss deshalb, weil man halt nicht allein sein will.

Kleine Impulse mit großer Wirkung: Blick für scheinbar Nebensächliches

Interessant ist auch, wie wir unterwegs viel mehr die kleinen Details wahrnehmen, oder? Vielleicht ist es das spontane und überraschende Gespräch mit einer Fremden im Zug, von dem noch Sätze lange im Leben nachhallen. Oder es ist ein ungeplanter Umweg, der erst ärgerlich ist, dann aber völlig neue Eindrücke und möglicherweise eine tiefere Einsicht in eine lokale Kultur bietet. Oder verrückte Grenzstorys auf Reisen, die erst wirklich unangenehm sind und dann die Anekdoten des Lebenswerden.

Vielleicht erlebt Ihr einen Moment der Stille in einer ungewohnten Landschaft mit dem Blick auf Reisefeld ganz für Euch und werdet Euch bewusst bei leisem Wind, wie besonders diese Welt ist.

Innere Prozesse, die schon angestossen sind, werden verstärkt.

Selbstfürsorge spielt unterwegs auch eine wichtige Rolle. Passt gut auf Euch auf, vergesst Eure Routinen nicht. Wasser trinken kommt beispielsweise unterwegs oft zu kurz. Am besten nehmt Ihr eine schöne Sporttrinkflasche mit großem Volumen mit und habt sie immer in der Nähe. Gerade in Ländern mit ungewohnt heißer Temperatur ist es wichtig, auf genug Flüssigkeitszufuhr zu achten. Auch spezielle Reiseroutinen können Stabilität geben. Vielleicht ist es ein Reisetagebuch, in dem schöne Urlaubserinnerungen festgehalten werden, Eintrittskarten eingeklebt oder Fotos eingefügt.

Vielleicht ist es ein schöner Duft, der an Zuhause erinnert, weil es ein Geruch wie Orange-Lavendel zum Einschlafen daheim ist. Hier ist es nur sehr wichtig, auf naturreine Öle zu achten, die gut verträglich sind.

Je nach Lebens- und Partnerschaftsphase, also auch nach Reisephase im Leben, ist vielleicht auch ein kompaktes „Wellnessobjekt“ für unterwegs wie dieser Mini Vibrator interessant. Solche Gegenstände sind weniger ein Statement als ein Hinweis darauf, dass Nähe zu sich selbst genauso wichtig ist wie Nähe zu anderen. Vielleicht stolpert ihr in anderen Lebensphase auch wie wir über lustige Marktverkäufer, die Euch Souvienirs für Euch ganz speziell als Paar anbieten.

Ein langfristiger Effekt

Wenn Reisende nach Hause zurückkehren, wirkt das Heim einerseits total vertraut und dann auch wieder ganz fremd. Und zwar weil man sich als Reisende selbst verändert hat. Die Umgebung mag dieselbe sein, aber wir sind anders. Beziehungen fühlen sich schon noch vertraut an, aber der Blick darauf ist vielleicht klarer und eventuell (leider?) distanzierter. Es wird sich durch das Reisen selten alles auf einmal verändert haben. Aber kleine eventuell zunächst unmerkliche Verschiebungen prägen dann doch den Alltag auf Dauer.

Am Ende fragt sich: War Reisen für Dich eine Flucht aus Deiner Umgebung? Und Du leidest ganz schlimm danach am Reisekater? War es eine Art Neujustierung? Bist du nicht nur geographisch offener geworden, sondern auch innerlich? Hast Du neue Perspektiven gewonnen? Und genau darin liegt die eigentliche Kraft des Unterwegsseins. Und wenn es Dir noch ewtas schwer fällt, dann gestalte Dir daheim doch eine besondere Heimoase und nimm so etwas von der Ferne mit ganz nah zu Dir.

Euch gefallen solche „Psychoreiseartikel“? dann werft doch auch hier mal einen Blick rein. Aber Achtung: Da sind ein paar richtig alte „Blogsünden“ dabei. Nicht schön formatiert, etwas holperig und auch ein paar ganz alte Einblicke. Spannend allemal:

Lust auf Abenteuer: Wie Reisen unsere Sinne berührt
Welches Geräusch hat Dein Fernweh?
Wie motiviere ich Kinder zum Wandern?
Länder sammeln beim Reisen: Zwischen Abenteuerlust und Oberflächlichkeit
Flugangsttipps: Mehr Spaß beim Fliegen
Das Ende des Reisens als Familie
Reisen in der Adventszeit: Yeah oder bloss nicht?
Hilfe gegen Fernweh: Souvenirs
Glück auf Reisen als Familie: Was heißt das?
Reisephasen des Lebens und wie sie uns prägen
4 Strategien auf Autofahrten mit Kleinkind
Urlaubsziele im Vergleich: Berge, Meer oder Städtereise, was passt zu Dir?
Reisen als Familie und als Single: Ein humorvoller Vergleich
Welcher Urlaubstyp bist Du?
Was macht glücklich auf Reisen?
Fernreisen mit Kindern planen: Das machen wir anders als früher
Vom Spagat zwischen flügge werden und Nähe suchen
Koffer packen mit Kindern: Tipps für einen entspannten Urlaubsstart
3 Elternsünden im Urlaub
Glück auf Reisen: Von Freiheit, magischen Momenten und Gänsehauterinnerungen
Interview mit Kindern – Urlaub: Wann ist Urlaub ein guter Urlaub?
Weihnachten im Urlaub feiern: Ja oder nein?
Die Elternzeit ist nicht zum Verreisen da – oder doch?
Was ist Urlaub und was ist Reise?
Gründe gegen Urlaub mit anderen Familien
Wo das Reisevirus seinen Ursprung nahm
Was Eltern im Auto sagen
Reisen als romantisierte Konsumfalle?
Welche Urlaubsunterkunft für welche Familienphase?
Authentisch reisen als Familie – Was heißt das?
Nachhaltiges reisen – was heißt das?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.