Lettland: Kanufahren bei Regen im Gauja-Nationalpark

Kanufahren bei Regen im Gauja-Nationalpark. Wasser von oben und von unten. So ist die Aussicht auf den heutigen Tag. Seit Wochen weiß ich: Heute werde ich mit dem Kanu den Gauja-Nationalpark erkunden. Und zwar auf dem Fluss Gauja in Lettland. Die Gauja ist ein Eldorado für Vogelliebhaber. Gesäumt von saftigen grünen wilden Wäldern. Der ruhige Fluss in der Sonne glitzernd. Rot-gelb leuchtende Sandsteinfelsen, die fast senkrecht aus dem klaren Wasser der Gauja emporragen. Und dann das: Es regnet.

Kanufahren bei Regen im Gauja-Nationalpark

Kanufahren bei Regen im Gauja-Nationalpark

Soll ich oder soll ich nicht?

Und zwar nicht nur so ein bißchen. Sondern so richtig. Der Reisemann guckt mich mitleidig an. Ich ignoriere seinen Blick trotzig. Ich habe es mir vorgenommen! Kanufahren im Gauja-Nationalpark und dann mach ich das auch. So. Augen zu und durch. Mein Guide Vadim versucht es mit Glagenhumor: „Wenn Du ganz nass bist, wird es Dir egal sein.“ Und so ist es. Komplett durchnässt genieße ich die komplette Einsamkeit um uns herum. Genau einmal treffen wir an diesem Tag einen Angler. Ansonsten ist der Fluss unserer. Kleinere Stromschnellen, felsige Sandbänke, grüne Inselchen, dunkle Höhlen. Und durch den Regen hat das Ganze etwas Mystisches.  Nach einigen Stunden kommt versöhnlich die Sonne heraus. Wir lassen uns auf der Gauja treiben und trocknen innerhalb kürzester Zeit.

Kanufahren bei Regen im Gauja-Nationalpark

Ein besonderes Erlebnis

Unterhalten uns über die EU, die Einführung des Euro in Lettland, das Verhältnis der Balten untereinander und seine Roch’n’Roll-Band, mit der er neben seinem Job als Guide sein Geld verdient. Wie als Geschenk für die Mühe begleitet uns ein schwarzer Storch. Immer wieder gleitet er ein Stück voraus, beobachtet uns vom Waldrand, wartet. In der Sonne zeigt die Gauja einen anderen lieblicheren Charakter und ich bin dankbar, beide Seite gesehen haben zu dürfen. Vadim zeigt mir Einritzungen in den roten Sandsteinfelsen: „Manche verstehen einfach nicht, dass sie so die Natur zerstören. Die fahren dann mit einem Grill auf einem Floß herum und besaufen sich. Ich trinke auch gern, aber das kann ich doch zuhause. Die merken gar nicht, was sie verpassen.“ Am Ende der Tour bekomme ich noch etwas Besonderes zu sehen. Die letzte handbetriebene Holzautofähre der Gauja in Ligatne. Und bin froh, dass ich meinem inneren Schweinehund die Stirn geboten habe. Denn manchmal kostet ein richtig tolles Reiseerlebnis eben auch Mühe.

Kanufahren bei Regen im Gauja-Nationalpark

Die Fakten zum Kanufahren im Gauja-Nationalpark

Kanuverleih: Cesis direkt an der Gauja

Strecke: Cesis bis Ligatne (Varianten ab Sigulda möglich)

Schwierigkeitsgrad: niedrig

Dauer: 5 Stunden

Sonstige Sehenswürdigkeiten: Geheimer Sowjetbunker Ligatne, Naturetrails Ligatne, Seilbahn und Burg in Sigulda, Fahrradtouren, Wanderungen zu Sandsteinkliffs, Besichtigung von Höhlen