Welchen Geschmack hat Dein Fernweh?

Kann Fernweh schmecken? Zumindest hat mein und Euer Fernweh einen Geruch und ein Geräusch. Soviel haben wir bereits gemeinsam feststellen können. Und da ich im letzten Artikel schon zugegeben habe, dass mir die Reiselust abhanden gekommen ist, bin ich heute auf der Suche nach Dingen, die dies auch wieder anheizen können. Die große Sommerreisezeit ist vorüber, der nächste Sommerurlaub in weiter Ferne. Was könnte es da Besseres geben, als in den eigenen vier Wänden sich mit wunderbaren Genüssen in die Erinnerung und mehr oder weniger exotische Orte zu begeben? Seid Ihr bereit für meine TOP 3 der „Fernwehgeschmäcker“? Dann los!

Weitere Artikel über Fernweh findest Du hier:

Welche Geruch hat Dein Fernweh?
Welches Geräusch hat Dein Fernweh?
Welchen Soundtrack hat Dein Fernweh?

1. Pfirsich Icetea – Korfus Sonne

Ich mit gerade einmal Anfang 20: Durchgemachte Partynacht, vorsichtig den Kopf aus dem strahlend weißen Bungalow stecken, leicht verkatert in die gleißende griechische Sonne blinzeln. Der Mund ist trocken, die nicht mehr ganz so frühe Sonne hat schon enorme Kraft. Und dann: Unter dem großen Sonnensegel auf der rötlichen Terasse auf der Holzbank flätzen, ein riesiges Glas Pfirsich Icetea mit klirrenden Eiswürfeln vor mir. Das Glas beschlagen, der erste kühlende Schluck das Paradies. Wenn ich mich gedanklich seitdem nach Griechenland beamen möchte, trinke ich dieses süße Gebräu.

2. Pad Thai – Bangkoks Nächte

Klebrige Nudeln. gebraten und Scharf. Sehr schwarf. zerstossene Erdnüsse, etwas Sojasoße, Fischsoße, mehr als ein Hauch von Palmzucker und ganz viel Limette. Noch etwas frische Sprossen. Das ist mein Essenshimmel. Vor allem, wenn ich im etwas dämpfigen Sushi und Wok in Stuttgart Stadtmitte dem Koch beim Wirbeln im dampfenden Fett zuschaue und noch ein Mai Tai neben mir steht macht es „peng“. Dann weiß ich wieder genau, wie es sich anfühlt, vor einem Straßenstand in Bangkok zu sitzen und das wilde thailändische Hauptstadtleben um einen tobt. Ein Bild vom Original-Pad Thai, an das ich mich erinnert fühle, findest Du in einem meiner Thailand-Artikel.

Mehr über Thailand hier auf meinem Blog:

Sukkothai: Alte Kultur, kulinarische Genüsse und Tuktuks
Trekking in Thailands Norden: Chiang Rai
Thailand oder Mutproben, Drogen und „The Beach“

3. Warme Heidelbeeren – Estlands Wälder

Es riecht nach heißem Nadelwald, der Sandboden unter den Füßen gibt nach. Wir sind ganz allein, nur irgendwo hier könnte uns ein Bär beobachten. Wer weiß das schon? Mit diesem leichten Nervenkitzel in der Bauchgegend gehen wir auf Beerensuche. Wobei: Suche ist eigentlich der falsche Ausdruck dafür. Der Waldboden ist übersät von Minibüschen mit festen Blättchen. Unmengen an Heidelbeeren finden den Weg in unsere Mägen. Das Reisemäuschen blickt schon erwartungsvoll zu der Hand, wenn sie sich gefüllt mit blauen Leckereien nähert. Wenn Heidelbeeren aus dem Supermarkt bei uns auf dem Küchentisch stehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einer von uns einen Satz mit „Weißt Du noch…?“ beginnt.

Mehr über Estland findest Du hier bei der Reisemeisterei:

Estland: 10 gute Gründe für einen Besuch
Estland: 6 Ziele für Deine Rundreise
Bilderreise durch…Tallinn
Baltische Küche: Hauptgerichte aus Estland

Auf Twitter hat mir Anna von Anna im Backwahn verraten, dass ihr Fernwehgeschmack „Icetea und Sandwiches aus New Yorker Delis, Büffelmozarella am Gardasee, Fischbrötchen auf Rügen“ sind. Wie toll! Und Nadine von Planet Hibbel liebt Green Papaya Salad als geschmacklichen asiatischen Fernwehverstärker, ließ sie mich auf Instagram wissen…mjam! Und wenn Ihr eine richtige Sammlung über „Essensgelüste“ im Urlaub sucht: Bitteschön bei „Jäger des verlorenen Schmatzes“!

Auch Ihr habt ganz bestimmt Gerichte oder Getränke oder Süßigkeiten oder…, die Euch an schöne Reisen zurückbeamen, oder? Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr uns davon in den Kommentaren erzählt!

16 Kommentare zu “Welchen Geschmack hat Dein Fernweh?

  1. So eine schöne Idee, Reiseerinnerungen festzuhalten! Mein Fernweh schmeckt süß:

    Beignets in New Orleans (optisch eher ein Puderzuckermassaker!),
    heiße Schokolade in Laax (Schweiz), als dort wegen massivem Schneefall nix mehr ging,
    Käsesahnetorte in einem Omacafé in Bochum (Deutschland), wo die Kellnerin dem behüteten Trio am Nebentisch eine Runde Eierlikör ausgab.

    1. siehst Du, und Fernweh muss gar nicht mal so fern sein, auch die Reisesehnsucht innerhalb Deutschlands kann groß sein…lieben Dank für Deine schönen „Geschmäcker“. Christina

  2. Was für ein schöner Artikel! Wie mein Fernweh schmeckt? Am liebsten nach einem scharfen thailändischen Curry (vorzugsweise der Sorte Panang) oder nach der leckeren Galgant-Hühnchen-Suppe Tom Ka Gai. Beides gibt es bei mir regelmäßig, um die Zeit zwischen zwei Asien-Reisen zu überbrücken 🙂
    Sag mal, magst Du mit solch einem sinnlichen Fernweh-Thema nicht an meiner Blogparade teilnehmen? Mehr dazu auf meinem Blog. Würde mich riesig freuen!

    1. Hallo Sabine, hmmmmm. Ja, asiatisches Essen! Und da sind wir beiden sicher nicht die einzigen, die das als absoluten Fernwehauslöser empfinden. Die Blogparade ist eine gute Idee! Ich versuche, mir die Zeit dafür zu nehmen. Liebe Grüße, Christina

  3. Christina, was für ein wunderschöner, sinnlicher Artikel! Geschmäcker sind gute „Speicherorte“. Eigentlich gibt es auf jeder Reise einen solchen Moment, auch wenn es manchmal nur ganz kleine Dinge sind. Wie das mit Knoblauch belegte Butterbrot, das mein Vater gerne auf Bergwanderungen aus dem Rucksack zog, wenn der Gipfel erreicht war. Spanien hat, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, mich auf den Kaffeegeschmack gebracht – mit 30 Jahren! Kaum zu glauben, aber – Cortado sei Dank – besser spät als nie.
    Herzliche Grüße in die Nachbarschaft

    1. Herzlichen Dank für das nette Kompliment. Beim Schreiben habe ich auch ziemlich Appetit bekommen 😉 Na, da haben die Spanier aber gute Arbeit geleistet bei Dir. Was wäre die Welt nur ohne Kaffee. Auf jeden Fall ein Stückchen müder…

  4. O ja. Warme Heidelbeeren würden bei mir eher Heimweh auslösen :), oder Sommerweh. Gibt es so ein Wort?
    Wir sind ja nicht nach so unterschiedliche Orte gereist, aber einige Geschmäcke gibt es schon.

    Knusprige Brötchen, enweder auf dem Frühstückstisch oder beim Picknick am Wegesrand. Die echten Brötchen gibt es nur in Deutschland.
    Heisse Schokolade an einem kalten und nassen Tag in irgendeiner Lübecker Bäckerei.
    Italienisches Eis überall in Deutschland.
    Zitronen-Eistee, irgendein Bohnengericht und winziges Stück dunkle Schokolade fürs Frühstücksbrötchen in Taize, Frankreich.
    Zitroneneis gleich daneben in der Kleinstadt Cormatin (wird direkt gegenüber Cormatiner Schlosses verkauft).

    Den Artikel über Reisegeräusche habe ich irgenwie nicht bemerkt, bei mir sind es aber Zikaden und ein polnischer Radiosender (RMF – Radio, Muzyka, Fakty), der bei uns im Auto immer von Suwalki bis Warschau läuft (oder umgekehrt).

    Liebe Grüsse,
    Reet aus Estland

    1. Liebe Reet, da sind ja wirklich einige schöne Geschmäcker dabei. Bei dem heutigen kalten Wetter würde ich mich auch sehr gern in einer Lübecker Bäckerei bei heißer Schokolade aufwärmen….hmmm. Christina

  5. In die Ferne beamen mich v.a. im Winter die vietnamesische Pho und die thailändische Tom Kha Gai (und lassen mich in sehnsüchtig an unsere Reisen denken als wir noch jung, wild … usw. waren, seufz). Ein Sommer ohne den Original-Frappé ist für mich undenkbar, Mixer und Kaffeepulver habe ich mir mitgebracht und hole ich mir so mein Griechenlandfeeling nach Hause :-). Zu zu jeder Jahreszeit liebe ich die schwedischen Zimtschnecken, die Erinnerungen sind noch ganz frisch, sind gerade aus Stockholm zurück. Ich habe zwei Superzimtschneckenrezepte von einer Backgöttin gepostet. http://myfamilyontour.wordpress.com/2014/10/14/zimtschneckentag_schweden/
    Viele Grüße, Ines

    1. Liebe Ines, danke für Deine geschmackliche Reise! Klingt nach wirklich schönen Erinnerungen! Danke auch, dass Du schon einige Male vorher kommentiert hast, bevor Du einen Link zu Deinem Blog da lässt. Das mag ich nämlich gar nicht, wenn man nie kommentiert und dann einfach nur einen Link platziert. Passiert leider oft genug. Danke für das gute Vorbild. Christina

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