Das alte Hurghada: Ägypten abseits der Hotelmeile

Prosaartige Reiseberichte sind eigentlich nicht mein Stil, heute wage ich dennoch den Test und beschreibe das alte Hurghada abseits der Hotelmeile. Solltest Du eher für knackige Infos zu haben sein: Runterscrollen. Sie sind am Ende des Textes zu finden.

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Mit dem Taxi in das alte Hurghada

„To Ad Dahar? 75 Pounds! Cheap!“ Nein, nein und nochmal nein. Ich will keinen geschniegelten Limousinenservice für 200 Pfund Retour, der mir wieder nur ein perfektes Ägypten vorgaukeln und mit dem vielfachen des regulären Preises dem Hotel Geld in die Tasche spült. Ich will – einen Nachmittag kindfrei und raus aus dem Allinclusive-Hotel – etwas Aufregung, Unterhaltung mit Händen und Füßen, einen „richtigen“ Souk, ägyptischen Alltagsleben und vor allem selbst handeln und schauen, wie gut ich das kann. Nach dem Abweisen von zwei Taxis nach zu hohem Preis an der Straße schaffe ich es bis auf 25 Pfund für eine 20-minütige Taxifahrt. Auf dem Rückweg sogar bis auf 20 Pfund. Und höre nicht zum ersten Mal, wie ein Ägypter meinen hinten sitzenden Mann fragt: „Wer Chef? Du oder Frau?“

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Handeln auf dem Souk

In Ad Dahar, dem alten Teil Hurghadas, fern der Hotelmeile angekommen. Der bunte Souk erwartet uns. Ein bunter Basar, Kleidung, Gewürze, Tand, Schmuck, kleine Supermärkte, Männer in langen Gewändern. Wenige Frauen, viele verschleiert. Ich weiß, warum ich die kurzen Shorts zugunsten einen zumindest die Knie bedeckenden Rocks im Hotel gelassen habe. Und von 0 auf 100 geht’s los. Alle Verkäufer wollen uns – bei Touristenmangel umso verständlicher – in ihren Laden locken. Wir handeln um Tee und einen Schal. Der Verkäufer tut beleidigt, als ich einen scheinbar beschämend niedrigen Preis nenne, den ich bereit bin zu zahlen. Erzählt von seinen fünf Kindern, die er ernähren muss. Und versucht, mir mit dem lautstarken Anstimmen von „Backe, backe, Kuchen“ zusätzlich Safran schmackhaft zu machen. Die Zahlen fliegen hin und her. Am Ende übergibt er mir meine Ware, nicht ohne zu bestätigen, dass er rein gar nichts verdient hat.

Irgendwie frage ich mich ja schon, ob das nicht etwas uneffektiv ist, bei jeder Verkaufsaktion einen dermaßen großen Aufwand zu betreiben. Und möchte ihm gern sagen, dass ich sicher mehr in Ägypten einkaufen würde, wenn die Verkäufer und der Einkaufsprozess nicht dermaßen energieraubend wären. Ich befürchte allerdings, dass er es so wenig verstehen würde, wie wenn man einem Schwaben erklärt, dass der Bordstein doch auch mal eine Woche nicht gekehrt werden könnte.

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Straßenleben in Ägypten

Apropos: Ich liebe die staubigen Straßen, das laute Hupen, Autofahrer, für die Mittelstreifen nicht zu existieren scheinen. Ein offener Obstmarkt, lautes Handeln, feuriges arabisches Temperament. Und dazwischen Militär. Automatisch fallen mir die Nachrichten aus Deutschland ein. Ich fühle mich ein bisschen, als sei ich selbst im Fernsehen gelandet. Auch hier in Hurghada ist bei einer Versammlung ein Mann erschossen worden. Als wir am Tatort vorbeigehen, überkommt mich kurz ein mulmiges Gefühl. Aber nur kurz. Hurghada ist sicher, das wissen und fühlen wir.

Der Friseur, der uns mit dem Faden die Härchen vom Gesicht zwirbelt, wird richtig wütend als wir auf die politische Situation zu sprechen kommen. Deutlich angewidert spuckt er den Namen „Mursi“ aus. Er wünscht sich nichts mehr als Demokratie und Touristen, die wieder Geld nach Ägypten bringen. Und das tun wir gern. Und da das Handeln zur Kultur gehört, übe ich mich in Geduld. Und genieße die Hauptmoschee, die koptische Kirche und den Malventee. Mit trubeligem Straßenleben aufgetankt fahren wir durch den Sonnenuntergang zurück.

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Und hier die versprochenen knackigen Infos:

Ad Dahar, das ursprüngliche Zentrum Hurghadas liegt 12 Kilometer vom Ende der Hotelmeile entfernt. Für eine Strecke mit dem Taxi sollte man nicht mehr als 30 ägyptische Pfund (ca. 3 Euro) bezahlen. Häufig bieten die Taxifahrer an, zu warten, bis man seine Besichtigungstour beendet hat. Das lohnt nicht. Innerhalb weniger Minuten ist immer ein anderes Taxi aufzutreiben.

In Ad Dahar lohnen unter anderem der Besuch des Basars, auch Souk genannt, der Hauptmoschee, der koptischen Kirche. Oder: Einfach am Straßenrand einen Tee trinken und das Treiben beobachten. 2-3 Stunden genügen für einen ersten Eindruck. Auch mit Kind machbar.

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