Reisen in der Elternzeit: Einmal um die Ostsee – Teil 1

Welche Reisen in der Elternzeit eignen sich besonders? Diese Frage stellen sich viele Eltern, die eine gemeinsame Elternzeit für einen längeren Urlaub nutzen möchten. Andere reisen in der Elternzeit nach Australien. Wir haben als Reiseziel in der Elternzeit Europa gewählt. Hört sich langweilig an? Nein! Spannend! Wir sind nämlich einmal um die ganze Ostsee gefahren. Hier unsere Stationen, die Strecke, unsere Highlights und Reinfälle. In Teil 2 werden wir Euch morgen die Orte vorstellen, die wir Euch besonders empfehlen würden und sagen, was wir im Nachhinein anders gemacht hätten.

Welche Länder haben wir bereist?

Deutschland, Dänemark, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Tschechien, wobei wir Estland am intensivsten erkundet haben. 17 Tage insgesamt. Und Estland ist uns dementsprechend auch ans Herz gewachsen, wie man beispielsweise unserer Liebeserklärung an einen entlegenen Ort auf der Insel Hiiumaa entnehmen kann.

Leuchtturm Hiiumaa - Estonia, I'm in love with you!

Leuchtturm Hiiumaa – Estonia, I’m in love with you!

Wie lange waren wir in der Elternzeit auf Reisen in Europa unterwegs? 

Wir sind in 6 Wochen insgesamt 7000 km gefahren. Tendenziell hätte ich vor allem Polen und Tschechien noch genauer erkunden wollen. Die Zeit dazu hätten wir gehabt. Aber unser Heimweh hat uns gezeigt ist, dass die Reise sich dem Ende nähert.

Wo und wie haben wir übernachtet?

20 Nächte: Couchsurfing
10 Nächte: Campinghütten und Ferienhäuser
2 Nächte Businesshotel
1 Nacht: Birgitta-Kloster
1 Nacht: ehemaliges Dominikanerkloster
1 Nacht: Original Fifties-Motel
1 Nacht: Hotel Mama
1 Nacht: Fähre Stockholm – Tallinn
1 Nacht: Ländliche Bildungsstätte mit Schwerpunkt „Tantra“
1 Nacht: Wellnesshotel
1 Nacht: Notübernachtung auf einem Bauernhof von Freunden eines Campingplatzes
1 Nacht: Hotel mit Blick auf das Konzentrationslager Auschwitz

Motel in Kopenhagen mit seeeehr dünnen Wänden...

Motel in Kopenhagen mit seeeehr dünnen Wänden…

Linsen und Spätzle als Dankeschön für eine Übernachtung im dänischen Bauernhaus

Linsen und Spätzle als Dankeschön für eine Übernachtung im dänischen Bauernhaus

Was waren die Höhepunkte unserer Reise?

Im Rückblick hat es mich am meisten begeistert, Menschen kennen zu lernen, die an den Orten leben, zu denen wir reisen. Eine alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter im dänischen Bauernhaus. Eine 50er-Jahre-verrückte schwedische Familie, in deren Haus unsere gleichaltrigen Kinder um die Wette gekrabbelt sind. Eine sagenhaft gute estnische Köchin. Eine Familie, die uns in ihrem ehemaligen Forsthaus dermaßen herzlich aufgenommen haben, dass wir uns fast wie ein Teil der baltischen Kultur fühlen durften. Ein kiffendes Cowgirl, bei dem wir lernten, dass es auch (fast) ohne fließendes Wasser geht. Eine Geschäftsführerin eines Frauenhauses, bei der wir erfuhren, dass die Gewalt hinter verschlossenen Türen im so friedlich scheinenden Estland aufgrund des allgegenwärtigen Wodkas teilweise unerträglich ist. Eine lettische Familie, die fast keinen Tag ohne Couchsurfing-Besuch lebt und die dies zu ihrem Lebensinhalt gemacht hat.

Abgesehen von den Einheimischen werde ich folgende Erlebnisse nie vergessen:

Am eindrücklichsten war für mich der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Am entspanntesten fühlten wir uns im Ferienhaus in Cesis. Dort haben wir auch mit die schönsten Unternehmungen wie die Besichtigung eines alten Sowjetbunkers und eine Kanutour auf der Gauja unternommen. Die tollsten Wanderungen durften wir in Schweden oberhalb des Sees Vättern und im Endlamoor in Estland erleben. Der schönste Familienmoment ist uns von der estnischen Insel Hiiumaa in Erinnerung, als Paulina das erste Mal auf den eigenen Füßchen stehen konnte. Kulturell hat mich die Hauptstadt Estlands – Tallinn – begeistert. Am schrecklichsten war die Nacht in Kopenhagen im Motel, als Paulina nicht schlief und unsere Zimmernachbarn alles mit anhören mussten. Und am zweitschrecklichsten eindeutig die Situation, als wir im lettischen Aglona absolut keine Übernachtungsmöglichkeit finden konnten und spontan auf einem uralten Bauernhof geschlafen haben. Wir waren dankbar, dass wir nicht im Auto schlafen mussten. Aber die hygienischen Verhältnisse waren so schlecht, dass ich sogar das Zähneputzen im Bad vermieden habe.

Der Einfahrt ins größte deutsche Vernichtungslager der NS-Zeit

Der Einfahrt ins größte deutsche Vernichtungslager der NS-Zeit

1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet. Detail in einer Baracke.

1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet. Detail in einer Baracke.

Nazi-Pilger in einem Krematorium in Auschwitz! Unfassbar!

Nazi-Pilger in einem Krematorium in Auschwitz! Unfassbar!

Endla-Moor in Zentral-Estland. Im wunderschönen Nirgendwo!

Endla-Moor in Zentral-Estland. Im wunderschönen Nirgendwo!

Elternzeit im Gauja-Nationalpark

Elternzeit im Gauja-Nationalpark

Habt Ihr Interesse an konkreten Adressen? Schreibt uns einfach an reisekatze@reisemeisterei.de.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade „Deine schönste Reise“ der lieben Nadine von Planet Hibbel. Nadine verfasst tolle Artikel zu den Themen „Reisen als Familie“, teilweise auch zu DIY- und Dekodingen. Lest mal rein bei Ihr. Es lohnt sich.

20 Kommentare zu “Reisen in der Elternzeit: Einmal um die Ostsee – Teil 1

    1. Liebe Nadine, mir hats auch viel Spaß gemacht. Und noch viel besser: Durch Deinen Aufruf bin ich überhaupt erstmal dazu gekommen, unsere Reise zusammen zu fassen. Danke für den Stups 😉 Herzliche Grüße aus dem Schwabenland in den Pott. Christina

    1. Hallo Becky, Es ist nie zu spät, oder? 😉 Wenn Du Fragen hast, gebe ich Dir gern Tipps. Liebe Grüße aus Stuttgart, Christina

  1. Als Tilly drei Monate alt war, haben wir ebenfalls mit unserem Wohnmobil für vier Wochen die Ostseeküste erkundet.
    Nach Nordsee und Atlantikküste eine tolle Abwechslung – und für Kinder ideal! Toller Bericht!

    1. Toll, mit dem Wohnmobil? Ich habe mich immer gefragt: Nimmt man da ein Babybett mit oder wie funktioniert das? Danke für das Kompliment 🙂

  2. Danke fürs Mitmachen, liebe Christina! Hört sich genial an. Und Australien kann ja jeder ;). Wer macht schon mit Baby ne 6wöchige Rundreise um die Ostsee?? Sehr sehr cool. Will ich auch mal irgendwann machen. GlG, Nadine

    1. Hat Spaß gemacht, Nadine. Ohne Dich hätte ich diesen Artikel vermutlich noch Jahre aufgeschoben 😉 War echt super. Solltest Du Tipps und Hilfe bei der Planung brauchen: Einfach fragen, ne? LG, Christina

  3. so eine ähnliche Strecke wollten wir auch mal machen…. dann ist es doch rund Skandinavien geworden: das kann man in unserm Buch nachlesen, was auch aus Bloginhalten zusammengestellt wurde. http://www.blurb.com/b/2024653-nordlich-von-hier
    Außerdem finde ich die Insel Hiiumaa auch interessant und wünsche mir, auch mal dort zu reisen.
    Wir finden auch, dass Nordeuropa viele erstaunlich exotische Ecken hat. Toll dass ihr das gemacht habt – weiter so!

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